Am Ende hängt alles an einem einzigen Match. Vier Tage Golf, zwei Runden Zählspiel, ein Halbfinale und schließlich das Duell um Gold sind beinahe Geschichte, als Paul Kamml am Samstagnachmittag auf die Schlusslöcher des GC Föhrenwald geht. Österreich gegen Irland. 2:2 steht es zu diesem Zeitpunkt im Finale der European MidAm-Team-EM Championship. Wer das letzte Match gewinnt, ist Europameister.
Für Österreich ist die Ausgangslage reizvoll. Im Vorjahr hatte das Herren-Team Platz fünf belegt, nun darf man auf heimischem Boden antreten. Captain Marcel-Josef Wagner schickt mit Markus Habeler, Christopher Dlaska, Tobias Ebner und Paul Kamml ein Quartett ins Rennen, das genügend Erfahrung und Qualität besitzt, um deutlich mehr als nur Gastgeber zu sein.
Vor allem Habeler kennt jeden Winkel von Föhrenwald. Der Lokalmatador führt aktuell die österreichische Mid-Amateur-Rangliste an und hat bereits 2024 den individuellen European-Mid-Amateur-Titel gewonnen. Hinter ihm folgen in der nationalen Rangliste Tobias Ebner und Paul Kamml auf den Plätzen zwei und drei, Christopher Dlaska liegt auf Rang vier. Das österreichische Team besteht damit praktisch aus dem aktuellen Who’s who des heimischen Mid-Amateur-Golfs.
Das Format der Europameisterschaft verzeiht wenig. An den ersten beiden Tagen werden zwei Runden Stroke Play absolviert, jeweils die drei besten Scores eines Viererteams zählen. Danach wird abgerechnet. Denn nur die vier besten Nationen erreichen Flight A – und nur diese vier können Europameister werden. Danach beginnt mit dem Match-Play gewissermaßen ein neues Turnier.
Irland macht schon in der Qualifikation klar, wer in Föhrenwald die Benchmark setzt. Über die sechs gewerteten Runden kommen die Iren auf beeindruckende 23 unter Par und sichern sich Platz eins. Bemerkenswert ist das auch deshalb, weil Irland bereits zwei Monate zuvor die reguläre European Amateur Team Championship gewonnen hatte. Nun tritt praktisch dieselbe Nation unter Captain Damien Coyne auch bei den Mid-Amateuren mit enormem Selbstvertrauen auf.
Dahinter schafft Österreich genau das, was für den weiteren Turnierverlauf entscheidend ist: den Sprung unter die besten Vier. Gemeinsam mit Irland qualifizieren sich die Niederlande und Finnland für Flight A.
Österreich gehört plötzlich zu den vier Kandidaten. Und nun verändert sich der Charakter des Turniers vollständig: Schläge unter oder über Par interessieren nicht mehr. Im Match-Play geht es nur noch um gewonnene Löcher, Momentum und jene eigenartige psychologische Dynamik, die Mannschaftsgolf so faszinierend macht.
Im Halbfinale trifft Österreich auf die Niederlande. Zwei Vierer und drei Einzel ergeben fünf Punkte – drei davon braucht man für das Finale. Am Ende steht 3:2 für Österreich. Das Heimteam hat tatsächlich das Finale erreicht. Die Niederlande müssen ins Spiel um Bronze, Österreich spielt am nächsten Tag um den Europameistertitel.
Auf der anderen Seite des Draws bestätigt Irland seine Favoritenrolle. Gegen Finnland gewinnen die Iren bereits beide Vierer am Vormittag und holen am Nachmittag auf der 16 den entscheidenden dritten Punkt.
Finale der MidAm-Team-EM: Irland gegen Österreich

Die Nummer eins der Qualifikation gegen die Gastgeber. Der Samstag beginnt ausgeglichen. Die beiden Vierer werden geteilt. Damit ist vor den drei entscheidenden Einzeln alles offen. Kein Vorsprung, kein Sicherheitsnetz. Drei Matches entscheiden über den Europameistertitel. Irland schlägt zuerst zu. Keith Egan gewinnt sein Einzel deutlich mit 5&4 und bringt die Gäste mit 2:1 in Führung. Noch ein Punkt fehlt den Iren zum Titel.
Doch Österreich antwortet, und natürlich ist es Markus Habeler. Der Mann aus Föhrenwald, der ehemalige Einzel-Europameister, gewinnt sein Match auf der 16 und stellt auf 2:2. Damit reduziert sich eine Europameisterschaft, die mit 16 Nationen und zwei Tagen Strokeplay begonnen hat, plötzlich auf ein einziges Duell. Paul Kamml gegen David Howard.
Kamml hält Österreich im Rennen und liegt bis zur 15 auf All Square. Zu diesem Zeitpunkt liegen Gold und Silber praktisch nebeneinander auf dem Fairway.
Auf dem Par 3 – Loch 16 – unterläuft Kamml jener Fehler, den man sich im Match Play gegen einen starken Gegner kaum leisten darf. Howard übernimmt die Initiative. Auf der 17 setzt der Ire nach, spielt das Birdie – und entscheidet damit Match und Europameisterschaft.
Gold geht letztlich verdient nach Irland. Die Iren waren über vier Tage die stärkste Mannschaft, gewannen die Stroke-Play-Qualifikation souverän und behielten auch in jenem Moment die Nerven, als das Finale zu kippen drohte. Es ist ihr zweiter europäischer Mannschaftstitel innerhalb weniger Monate.
Für Österreich aber bleibt Silbermedaille. 2025 war das Team noch Fünfter gewesen. Ein Jahr später steht es im Finale. Vielleicht ist genau das die schönste Pointe dieser vier Tage von Föhrenwald. Österreich beginnt die Woche als Gastgeber und beendet sie als Vize-Europameister.

