Mittwoch, Aug. 26, 2026
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Aus Weiss mach Grün

Obertauern kann Winter. Rund eine Million Übernachtungen in der kalten Jahreszeit, Schneesicherheit bis weit ins Frühjahr und eine Skigeschichte, in der sogar die Beatles eine Rolle spielen, sprechen für sich. Doch in der warmen Jahreszeit entdeckt der berühmte Wintersportort auf rund 1.700 Metern Höhe eine neue Farbe für sich: Grün. Und damit eine neue Zielgruppe – Golfer.

Wer im Sommer die kurvige Passstraße nach Obertauern hinauffährt, muss sein Winterbild von diesem Ort erst einmal neu sortieren. Wo sich sonst viele Skifahrer über die Pisten verteilen, blühen Almwiesen. Wanderwege ziehen sich über die Hänge, Mountainbiker sind unterwegs, zwischen den Gipfeln liegen Bergseen. Es ist stiller als im Winter, entspannter – und deutlich grüner. Dabei ist die weiße Vergangenheit allgegenwärtig. Bereits 1902 wurden erste Skifahrer auf den Tauern erwähnt, nach dem Ersten Weltkrieg kamen die ersten Skigäste noch zu Fuß nach Obertauern. In den 1950er-Jahren begann der große Aufschwung. Die Höhenlage und die damit verbundene Schneesicherheit machten den Ort zunehmend bekannt.

Den internationalen Ritterschlag gab es im März 1965. Damals kamen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr nach Obertauern, um Schneeszenen für den Beatles-Film „Help!“ zu drehen. Skifahren konnte keiner der vier, weshalb einheimische Skilehrer als Doubles einspringen mussten. Zwei Wochen blieben die Fab Four mit rund 60 Personen Entourage. Eine Episode, die Obertauern bis heute gerne erzählt – schließlich verhalf sie dem damals noch jungen Wintersportort zu weltweiter Aufmerksamkeit.

Die legendären Beatles – Foto (c) TVB Obertauern

Doch vom Ruhm vergangener Winter allein lässt sich keine Sommersaison entwickeln.

Obertauern: Wenn der Skiort Golf entdeckt

Genau deshalb soll Obertauern künftig stärker auch in der warmen Jahreszeit wahrgenommen werden. Golf spielt dabei eine interessante Rolle. Nicht, weil der Ort plötzlich einen eigenen 18-Loch-Platz bauen möchte. Sondern weil gleich drei attraktive Golfanlagen nahe liegen.

Dass Golf hier längst mehr als ein touristisches Gedankenspiel ist, merkt man schnell, wenn man mit Tourismusdirektor Mario Siedler unterwegs ist. Obertauern zählt gerade einmal rund 300 Einwohner – und etwa 40 von ihnen spielen Golf, wie Siedler erzählt. Eine bemerkenswerte Quote für einen Ort, dessen sportliche DNA jahrzehntelang fast ausschließlich vom Skifahren geprägt wurde. Wir gehen mit ihm und Thomas Steiner auf die Runde. Steiner ist stellvertretender Obmann des Tourismusverbandes und selbst Hotelier – seine Familie führt mit dem 4-Sterne-Superior-Hotel Steiner eines der großen Häuser des Ortes. Beide spielen selbst Golf. Und so wird schnell klar, dass die Idee vom Golfsommer nicht bloß am Schreibtisch des Tourismusverbandes entstanden ist.

Das Konzept hat einen entscheidenden Vorteil: Man wohnt oben in Obertauern und kann innerhalb weniger Tage drei sehr unterschiedliche Plätze spielen. Zum Golfclub Radstadt und zum Golfclub Lungau/Katschberg sind es jeweils etwa 20 Minuten mit dem Auto, zum Golfclub Schladming-Dachstein rund 40 Minuten.

Drei Plätze, drei Gesichter

Wer Spektakel sucht, beginnt in Radstadt. Schon die alpine Kulisse macht den Platz außergewöhnlich, endgültig unverwechselbar wird er jedoch durch eine Golfgondel.

Der „Birdie Jet“ bringt die Spieler nach Loch 11 samt Bag rund 250 Meter hinauf zum Abschlag der 12. Von dort geht es wieder hinunter – mit einem Höhenunterschied von rund 100 Metern zwischen Abschlag und Grün. Ein Abschlag, bei dem man sich einen Moment länger Zeit nimmt. Nicht unbedingt, um noch einmal den Schwung zu überprüfen, sondern um die Aussicht zu genießen. Der Platz nutzt seine alpine Topografie konsequent: Höhenunterschiede, Wald, Wasser und immer wieder der Blick in die Salzburger Bergwelt sorgen dafür, dass Radstadt weit entfernt von einem gewöhnlichen Resortkurs ist.

Der Platz nutzt seine alpine Topografie konsequent: Höhenunterschiede, Wald, Wasser und immer wieder der Blick in die Salzburger Bergwelt sorgen dafür, dass Radstadt weit entfernt von einem gewöhnlichen Resortkurs ist.

Der Golfclub Lungau/Katschberg überrascht dagegen mit einer ganz anderen Charakteristik. Auf rund 1.050 Metern gelegen, ist der 18-Loch-Meisterschaftsplatz erstaunlich eben. Der Fluss Mur begleitet die Runde, Wasserhindernisse, Teiche, Biotope, Bunker und Doglegs verlangen immer wieder strategische Entscheidungen. Die Fairways wirken teilweise großzügig, doch wer daraus schließt, man könne bedenkenlos zum Driver greifen, wird schnell eines Besseren belehrt. Insgesamt verspricht der Platz eine spannende und gleichzeitig entspannte Runde.

Und dann Schladming-Dachstein. Der von Bernhard Langer entworfene Platz gehört zu den Leading Golf Courses und präsentiert sich entsprechend gepflegt. Obwohl mitten in den Alpen gelegen, ist auch dieser Course absolut flach. Sein prägendes Element ist Wasser: Seen und Bäche begleiten zahlreiche Bahnen, dahinter erhebt sich die Bergkulisse des Dachsteins. Es ist ein eleganter, sportlicher Platz, der Präzision verlangt und Fehler durchaus konsequent bestraft. Gutes Course-Management ist hier gefragt.

Eines der spektakulärsten Löcher in Schladming: das Par 3 auf der 6.

Drei Plätze also, die sich nicht nur wegen ihrer Lage unterscheiden. Radstadt liefert alpines Spektakel und Höhenunterschiede, Lungau/Katschberg spielt sich naturverbunden und strategisch, Schladming wirkt wie der klassische Championship Course. Für einen Golf-Kurzurlaub ist gerade diese Abwechslung reizvoll.

Zurück auf 1.700 Meter

Nach der Runde geht es wieder hinauf nach Obertauern. Und genau hier könnte der Ort seinen Trumpf ausspielen. Denn während viele klassische Golfdestinationen im Hochsommer mit Hitze kämpfen, wartet oben eine andere Welt. Die Nächte sind kühler, die Luft ist klar, und selbst an warmen Tagen lässt es sich auf rund 1.700 Metern meist angenehm bewegen.

Die Höhe selbst macht sich ebenfalls bemerkbar. Mit zunehmender Seehöhe sinkt der Sauerstoffpartialdruck. Der Körper reagiert darauf unter anderem mit einer verstärkten Atmung und beginnt, sich an die Bedingungen anzupassen. Obertauerns Höhenlage ist noch moderat, Bewegung kann sich anfangs dennoch etwas intensiver anfühlen als im Tal. Von einem therapeutischen Effekt sollte man nicht pauschal sprechen – für gesunde Menschen kann der Aufenthalt in Kombination mit Bewegung und den niedrigeren Sommertemperaturen aber durchaus einen besonderen Erholungsreiz bieten.

Und bewegen kann man sich hier reichlich. Rund 300 Kilometer markierte Wanderwege führen zu Gipfeln, Almen, Hütten und Bergseen. Dazu kommen Mountainbike-, Rennrad- und E-Bike-Touren sowie Trailrunning, Reiten, Angeln und Naturerlebnisse für Familien.

Das sommerliche Obertauern ist nicht laut und spektakulär. Sein Reiz liegt vielmehr in der Kombination aus alpiner Landschaft, viel Platz und einer Ruhe, die man dem Ort während der Skisaison kaum zutrauen würde. Allerdings hat diese Ruhe auch eine Kehrseite: Viele Hotels, Restaurants und Bars bleiben im Sommer geschlossen, entsprechend überschaubar ist die gastronomische Auswahl. Wer abends gerne von Lokal zu Lokal zieht oder viel Abwechslung sucht, wird sie hier nur eingeschränkt finden. Wer dagegen nach der Golfrunde Ruhe, gute Bergluft und einen entspannten Abend im eigenen Hotel schätzt, dürfte genau darin einen Vorteil sehen.

Gerade für Golfer funktioniert das gut. Vormittags 18 Loch, am Nachmittag noch eine kleine Wanderung oder eine Runde mit dem E-Bike – und anschließend zurück ins Hotel.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Panorama inklusive

Unser Zuhause für diese Tage ist das 4-Sterne-Superior-Hotel Panorama, zentral in Obertauern gelegen und dennoch angenehm ruhig. Es ist eines jener Häuser, bei denen man schon nach kurzer Zeit merkt, dass die Gastgeber selbst präsent sind. Die Atmosphäre ist familiär und persönlich, ohne dass dabei auf den Komfort eines Vier-Sterne-Superior-Hotels verzichtet werden müsste. Nach einer Golfrunde ist der großzügige Wellnessbereich mit Pool und Saunen eine ziemlich überzeugende Alternative zu weiteren sportlichen Ambitionen. Und spätestens beim Abendessen wird klar, dass die eingeschränkte gastronomische Auswahl im Ort hier kaum ins Gewicht fällt. Die Küche ist ausgezeichnet, der Service herzlich und aufmerksam. Einfach zum Wohlfühlen.

Obertauern – Weiß bleibt. Grün kommt dazu.

Natürlich wird Obertauern auch künftig vor allem mit Winter verbunden werden. Das soll sich gar nicht ändern. Die Skitradition reicht mehr als ein Jahrhundert zurück, die Schneesicherheit ist das wirtschaftliche Kapital des Ortes, und mit rund einer Million Übernachtungen im Winter sind die Dimensionen eindeutig. Doch vielleicht liegt genau darin die Chance für den Sommer. Obertauern muss nicht versuchen, ein klassischer Golfresort-Ort zu werden. Es kann etwas anderes anbieten: Wohnen auf rund 1.700 Metern, drei sehr unterschiedliche Golfplätze in 20 bis 40 Minuten Entfernung, angenehmere Temperaturen an heißen Sommertagen – und genügend Möglichkeiten, auch abseits des Fairways etwas zu unternehmen.

Im Winter dreht sich in Obertauern alles um die berühmte Tauernrunde. Im Sommer darf es ruhig eine andere Runde sein. Eine in Grün.

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