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Long Drive – Martin Borgmeier im Interview

Der Deutsche Martin Borgmeier ist Long Drive Professional und amtierender Weltmeister. Über 400 Yards jagt er seine Bälle die Bahn hinunter und macht dies auf die gleiche Art und Weise wie jeder andere Golfer. Borgmeiers Golfschwung ist nur viel schneller und viel effizienter und so gut, dass selbst Tiger Woods ihn schon um Rat fragte. In diesem Jahr sind Borgmeier & Co erstmals bei der Continental Long Drive Open in Hannover am Start. Im Interview mit SimplyGOLF spricht Borgmeier über die Faszination Long Drive, verrät Tiger Woods Schwunggedanken und erklärt, wie jeder Golfer seinen Schlägen mehr Länge geben kann.

Vom 20.-21. Mai 2023 treten erstmalig in Deutschland einige der weltbesten Long Drive Professionals bei der Continental Long Drive Open presented by BAL.ON in Hannover gegeneinander an. Allen voran marschiert der Weltmeister Martin Borgmeier, der die Stars der Szene aus den USA nach Deutschland geholt hat.

Beim Long Drive werden sechs Bälle innerhalb von 2:30 Minuten in einen ca. 45 Meter schmalen Korridor geschlagen. Es ist ein Duell Mann gegen Mann, der längste Ball gewinnt und der Wettkampf wird bestimmt von Adrenalin, Athletik und Tempo.

SimplyGOLF: World Long Drive kommt nach Burgwedel, Sky Sport überträgt live und du bist amtierender Weltmeister. War das so in etwa dein Plan, als du vor fünf Jahren professionell mit dem Sport begonnen hast? 

Martin Borgmeier: Ich wusste natürlich vor fünf Jahren überhaupt nicht, was mich erwartet und ob ich in dem Sport überhaupt Fuß fassen kann. Aber als ich dann die ersten Erfolge gesehen habe und auch in den USA die ersten Male erfolgreich war, wollte ich nicht nur als Athlet erfolgreich sein, sondern den Sport auch weiterentwickeln. Als World Champion sehe ich mich in der Pflicht, ein Event nach Europa und natürlich insbesondere in mein Heimatland Deutschland zu holen. Ich möchte zum einen allen hier zeigen, wie toll die Sportart ist, und zum anderen auch World Long Drive zeigen, was wir hier in Europa draufhaben.

Wie wichtig ist die Verbindung von Europa und den USA für den Long Drive Sport? 

Es heißt zwar World Long Drive, aber World Long Drive findet hauptsächlich in Nordamerika statt. GF Sports & Entertainment, die gerade die World Long Drive Serie übernommen haben, sind jedoch sehr offen und wollen auch die globale Entwicklung. Ich sehe nicht nur uns in Europa. Hier ist meine Heimat, deswegen kann ich die Entwicklung hier am besten vorantreiben, aber ich sehe auch ganz klar Events in Südamerika, in Asien, Australien und überall. Nur so kann sich der Sport zu einer ernstzunehmenden globalen Sportart entwickeln.

Bei der Continental Long Drive Open in Burgwedel treten die europäischen Athleten der European Long Drive Games gegen die World Long Drive Stars aus den USA an. Wie schätzt du die Chancen der Europäer ein?

Das Leistungsgefälle ist deutlich geringer als oft angenommen wird. Ich denke schon, dass die Amerikaner allein durch die Erfahrung einen Vorteil haben, weil in den USA einfach mehr Events gespielt werden und die Jungs schon länger dabei sind. Bei uns haben natürlich die Europäer den Heimvorteil, aber vielleicht auch den Vorteil, dass sie von den Amerikanern unterschätzt werden. Die europäische Szene wird oft ein wenig belächelt. Aber dort komme ich her. Es ist meine Heimat. Ich habe hier drei Jahre lang gespielt und mich entwickelt. Ich glaube, die Amerikaner wissen noch gar nicht, was sie am Wochenende erwartet. 

Du spielst seit vier Jahren ausschließlich in den USA, weil die World Long Drive Events und die Weltmeisterschaften nur in Amerika stattfinden. Nun gibt es ein Event in Deutschland. Bist du aufgeregt vor deinem Heimspiel? Ist man als Weltmeister überhaupt noch aufgeregt?

Sobald ich am Sonntag auf die Tee Box gehe, werde ich aufgeregt sein. Das ist immer so. Wenn ich nicht nervös bin, dann läuft irgendetwas falsch. Denn nur über die Nervosität und durch das Adrenalin, das wir dadurch erzeugen, können wir Höchstleistungen bringen. Es muss fast sein und es gehört dazu, und es geht darum, damit möglichst gut umgehen zu können. Manchmal funktioniert es besser, manchmal schlechter. Die besten Longdriver sind genau die, die es schaffen, ihr Adrenalin zu nutzen, um alles in den Ball zu legen. 

Durch deinen Erfolg, deinen Weltmeistertitel, wird Long Drive auch in Deutschland immer populärer, und es werden sicherlich viele Zuschauer zur Continental Long Drive Open kommen, die noch nie ein Long Drive Event besucht haben. Was erwartet die Zuschauer und worauf dürfen Sie sich besonders freuen?

Das Event an sich ist für Golfer und Nichtgolfer total verständlich und mega Entertainment. Aber insbesondere, wenn man aus dem Golfbereich kommt, weiß man, was es überhaupt bedeutet, einen Ball über 300, 350, 400 Yards zu schlagen. Diejenigen, die Golf erwarten, werden auf das Gegenteil treffen. Die „Quiet please“ Schilder, die es sonst auf Golf Events gibt, die gibt es beim Long Drive nicht. Da heißt es eher „Make some noise“. Die Atmosphäre selbst ist in etwa zu vergleichen mit Darts. Wir gehen überall an die Grenzen und das Ganze ist gepaart mit viel Adrenalin. Es ist quasi Golf mit einem Formel 1 Wagen. 

Jeder möchte weiter schlagen du schlägst am weitesten. Wie oft fragt man dich nach deiner Telefonnummer?

Das passiert schon mal, ja. Es sind inzwischen viele Leute geworden, aber ich genieße es und ich freue mich darüber. Ich möchte ein guter Botschafter für die Sportart sein und ich versuche einfach allen zu helfen, denen ich helfen kann, und mache, was meine Zeit erlaubt.

Fragen dich auch viele PGA Tour Spieler um Rat? Du sollst schon mit Tiger Woods über den Golfschwung geredet haben. 

Ja, es sind schon einige. Das bekannteste Beispiel ist Bryson [DeChambeau], mit dem ich über sieben Monate zusammengelebt habe. Wir haben Tag ein Tag aus über den Golfschwung philosophiert und darüber, wie wir Power im Golfschwung generieren können. Dadurch hatte ich auch Kontakt mit Tiger, der mich angesprochen hat: „Martin, in welche Richtung bewegst du deine Hände im Downswing?“ Da war ich natürlich voll im Thema und habe ein ganz normales „Nerd Gespräch“ mit ihm geführt. Anschließend habe ich dann schon gedacht „Was ist gerade passiert, wie krass ist das denn?“, weil er mein Kindheitsheld ist und er da war und meinen Namen kannte. 

Mich freut, dass ich über diesen Weg den Long Drive Sport promoten und zeigen kann, dass die Sachen, die wir machen, gar nicht so weit vom Golf entfernt sind und man einfach nur quasi die Powerelemente, die es im Golf gibt, im Long Drive maximal benutzt. Das, was ein Jon Rahm macht, ist absolut identisch mit dem, was wir machen. Wir machen das „ganz viel“, und er macht das nur an gewissen Punkten ein bisschen. In der Golfszene wird immer mehr Respekt für das entwickelt, was wir machen und verstanden, dass man davon lernen kann. 

Das sieht man auch ganz klar an den Schwüngen der Long Driver. Sie unterscheiden sich heute nicht mehr so sehr von denen „normaler“ Golfspieler.

Long Drive ist ein ernstzunehmender Sport geworden. Über Social Media verteilt sich natürlich auch das Wissen nochmal deutlich schneller. Dadurch wird jeder besser und dadurch ist die Leistungsdichte inzwischen in den Staaten so groß, dass heute jeder gewinnen kann. Jeder muss besser werden und dadurch werden auch die Schwünge besser.

Hast du einen Tipp für den Freizeitgolfer für längere Drives?

Werdet euch eurer Zahlen bewusst. Arbeitet mit Zahlen, arbeitet datengetrieben. Es gibt inzwischen viele Indoor Studios mit Launch Monitoren. Der große Vorteil, den ein Freizeitgolfer erzeugen kann, ist, die Daten zu kennen und zu wissen, worum es da geht. Was ist eine Ballgeschwindigkeit? Was ist eine Schwunggeschwindigkeit? Wie soll der Ball überhaupt abfliegen? Was ist ein Launch Angle? Was ist eine Spin Rate? Die Dinge sollte man verstanden haben. Dann kann man auf einem ganz anderen Niveau sprechen und anfangen, zu verändern. 

Viele Golfer schauen sich nur das Endergebnis an. Sie gehen in den Golfsimulator und gucken einfach nur, wie weit sie schlagen und nicht, warum die ganze Nummer überhaupt passiert. Das „Warum“ zu analysieren und zu lernen, um was es da überhaupt geht, das ist der erste Schritt, um weiter zu schlagen. Dann verändert sich das Training relativ schnell von „Ich möchte möglichst weit schlagen“ zu „Ich möchte möglichst schnell und effizient schlagen“. Das Resultat, also die endgültige Distanz, die dabei herauskommt, ist dann nur noch ein Nebenprodukt.

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