Montag, Sep. 7, 2026
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„Golf muss ein Erlebnis sein“ – Deutschlands größter Golfplatzbetreiber Hermann Weiland im Interview

Hermann Weiland hat zehn Golfanlagen in Deutschland aufgebaut und mit seiner Gruppe "GOLF absolute" ein Konzept entwickelt, das weit über das Spiel auf 18 Löchern hinausgeht. Im Gespräch erzählt der Unternehmer über Qualität, ungewöhnliche Platzideen, sein Erfolgsrezept – und warum amerikanische Influencer, die seine Golfplätze für „Design-Katastrophen“ halten, ihn eher amüsieren als ärgern.

„Der Golfer muss mit einem Glücksempfinden nach Hause gehen“: Das ist das Motto von Hermann Weiland, studierter Ökonom, Landschaftsarchitekt, Platzbauer, Unternehmer und ehemaliger Springreiter. Der Herr über 10 Anlagen im Rhein-Main-Neckar-Saar-Gebiet ist noch immer täglich im Unternehmen und auf seinen zehn Golfanlagen unterwegs. Mit 76 Jahren hat der gebürtige Mannheimer noch immer alles im Blick – und im Griff. Ein Gespräch über sein Erfolgsrezept und seine Visionen.

SimplyGOLF: Herr Dr. Weiland, Sie sind 76 und führen nach wie vor eine große Unternehmensgruppe. Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Hermann Weiland

Dr. Hermann Weiland: „Ich bin jeden Tag gegen halb neun oder neun im Büro, erledige meine Post und telefoniere mit den Head Greenkeepern und Supervisoren, wie es auf den Plätzen aussieht. Gegen zwölf oder 13 Uhr fahre ich dann auf eine Golfanlage, jeden Tag auf eine andere, und schaue mir an, ob das, was die Herrschaften mir erzählen, auch tatsächlich stimmt. Wir setzen sehr stark auf Qualität. Qualität ist kein Wort für eine Imagebroschüre, sondern mein Anspruch, der bis zur einzelnen Graspflanze reicht.

Was machen Sie mit Ihren Anlagen anders als andere Betreiber?

Wir machen uns viele Gedanken darüber, wie wir die Golfer zufrieden und glücklich machen können. Unsere Anlagen sollen ein gewisses Urlaubsgefühl vermitteln. Der Golfer soll vom Platz gehen und ein Glücksempfinden haben. Und ich finde: Man kann nicht zehn Golfplätze haben, die alle gleich aussehen. Ich bin Landschaftsarchitekt und komme von der grünen Seite. Für mich sollte jede Golfbahn anders sein, ein eigenes Thema und einen eigenen Erlebniswert haben. Den Golfer betrachte ich zuallererst als unseren Kunden. Und der Kunde muss zufrieden sein. Das funktioniert nur, wenn die Qualität stimmt. Meine Philosophie war eigentlich immer: Alles, was ich mache, muss man fotografieren können und ins Lehrbuch setzen können.

Wie sind Sie überhaupt zum Golf gekommen?

Zuerst war ich Sportplatzbauer. Mit meiner Firma haben wir in Mannheim sehr viele Fußballplätze, Laufbahnen und Tennisplätze gebaut. 1996 bekam ich dann die erste Baugenehmigung für einen Golfplatz. Im Laufe der Jahre habe ich ungefähr fünf Anlagen selbst gebaut und fünf marode Anlagen übernommen. Dort haben wir saniert, zusätzliche Löcher oder Clubhäuser gebaut und immer überlegt: Was fehlt, damit der Golfer hier wirklich ein besonderes Erlebnis hat?

Suchen Sie gezielt nach Anlagen, die Sie übernehmen möchten?

Nein. Ich warte meistens, bis die Herrschaften auf mich zukommen. In dem Moment, in dem ich etwas haben will, wird es teuer. Dann schaue ich mir an: Macht das Sinn? Was müsste man verändern? Und dann entscheidet man.

Mit Rotationsgolf haben Sie früh ein anderes Mitgliedschaftsmodell entwickelt.

Ja, ich war der Erste. Ich habe mir damals gedacht: Diese hohen Einmalbeträge kann man gerade jungen Leuten nicht mehr zumuten. Also habe ich die Kosten auf eine Jahresmitgliedschaft umgelegt und durch zwölf geteilt. Und wenn man mehrere Anlagen hat, kann man seinen Mitgliedern natürlich mehr Abwechslung bieten. Bei uns gehört außerdem mehr dazu als Golf: Bei jeder unserer Anlage gibt es einen großen Fitnessbereich, eine Sauna und eine vernünftige Gastronomie. Heute sind es eben 10 Anlagen mit 309 Bahnen. Ich nenne es Rotationsgolf: Pay one, play more.

Wie würden Sie Ihr Erfolgsrezept beschreiben?

Die Menschen wollen das Außergewöhnliche haben, aber sie wollen das Außergewöhnliche nicht unbedingt bezahlen. Deshalb muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen. Das wird geschätzt – und das bringt Erfolg. Auch wirtschaftlich.

Außergewöhnlich sind Ihre Themenplätze zweifellos. In Karlsruhe gibt es beispielsweise handförmige Bunker, Mond und Sterne und sogar ein nachgebautes Schloss. Wie entstehen solche Ideen?

Ich möchte, dass jede Bahn anders ist. In Karlsruhe habe ich zum Beispiel das Karlsruher Schloss nachgebaut. Davor ist das Karlsruher Wappen, und unterhalb des Wappens gibt es einen Knopf. Wenn man darauf drückt, kommt das Badnerlied. Sie glauben nicht, wie verrückt die Golfer darauf sind. Und wenn jemand das nicht möchte: Er muss den Knopf ja nicht drücken. Bei einer anderen Anlage habe ich nochmal ein abspielbares Lied eingebaut. Es ging um einen Speicherteich für´s Wasser. Heute brauchst du einfach Speicherteiche, um deine Anlagen in diesen Notzeiten bewässern zu können. Die Anlage hatte ich vor sechs Jahren übernommen, sie war eher nichtssagend. Ich habe sie dann entsprechend umgebaut und ausgeschmückt. Beim Begehen des Umbaus stehe ich eines Tages auf dem Abschlag, sehe auf der linken Seite schon den Teich gefüllt, auf der rechten Seite den Sand-Aushub und da fällt mir spontan das Lied La Paloma ein. Einfach so, als Geistesblitz. Dann habe ich das Lied einsingen lassen.

Zurück zum Platz in Karlsruhe: Die Hexenzeichen auf dem Platz haben tatsächlich mit den Behörden zu tun?

Ja. Beim Bau waren regelmäßig drei Damen von verschiedenen Karlsruher Fachbehörden auf der Anlage. Eine vom Bodenschutz, eine vom Umweltschutz und eine vom Gartenamt. Irgendwann haben die mich so genervt, dass ich gesagt habe: Den Damen setze ich ein Denkmal. Mein Sohn musste dann Hexenzeichen aus dem Internet heraussuchen. Daraus wurden Distanzmarkierungen – gewidmet den Damen der Fachbehörden der Stadt Karlsruhe.

Zwei amerikanische Golf-Influencer haben sich 2025 in ihrem Blog „Design Desasters“ über den Platz lustig gemacht und sinngemäß vermutet, der Designer müsse unter Drogeneinfluss gestanden haben. Hat Sie das geärgert?

Nein. Ich war nüchtern. (lacht) Man muss über solche Dinge reden. Auf einer anderen Anlage habe ich zum Beispiel die „Big Five“ aufgestellt (Anm. der Redaktion: Begriff aus der Großwildjagd, gemeint sind Elefant, Nashorn, Büffel, Leopard und Löwe), aber in ungewöhnlichen Farben. Darüber regen sich manche Leute auf. Ich sage: Ihr müsst darüber reden, ihr müsst darüber streiten. Das ist wichtig. Dann wird es bekannt. Für mich ist das auch eine Art Kunst. Und über Kunst unterhält man sich, über Kunst streitet man. Ich nenne das Themengolf.

Also stört es Sie nicht, wenn Golfpuristen Ihre Plätze kitschig finden?

Absolut nicht, es muss nicht jeder alles mögen. Ich möchte etwas anderes, etwas Attraktives schaffen. Wir haben schließlich auch klassische Championship-Anlagen. Wichtig ist für mich, dass der Golfer ein Erlebnis und ein Erfolgserlebnis hat. Ich folge nur einer Regel: Wichtig ist für mich, dass ein durchschnittlicher Spieler möglichst zweimal Par spielen kann, dann ist es das richtige Design.

Vor Ihrer Karriere im Golf waren Sie erfolgreicher Springreiter und 1992 bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Hat der Leistungssport Sie als Unternehmer geprägt?

Es gibt viele Parallelen. Beim Springreiten geht es darum, Hindernisse und Distanzen zu überwinden. Beim Golf ist es ähnlich. Man muss einschätzen können, was man kann. Als Reiter musst du wissen, was du und dein Pferd leisten können. Beim Golf musst du ebenfalls entscheiden: Spiele ich über das Hindernis, daran vorbei oder lege ich vor?

Olympia war damals ein bewusst gesetztes Ziel?

Ja, so war das. Bei den Deutschen Meisterschaften war ich der einzige Amateur und wurde am Ende 16. Danach habe ich zu meinem Trainer gesagt: Ich habe ein neues Ziel. Ich möchte zu Olympia. Ich setze mir immer Ziele.

Inzwischen arbeitet auch Ihr Sohn Dirk im Unternehmen. Wie ist Ihre Familie eingebunden?

Mein Sohn ist seit vielen Jahren in leitender Position in der Firma. Er ist auch der richtige Golfer in der Familie, mit einstelligem Handicap. Meine Tochter ist Steuerberaterin und hat bei uns die Finanzaufsicht. Ich sage immer: Die Tochter ist die Chefin von uns. Wenn ich etwas investieren möchte, bekomme ich erzählt, ob ich darf oder nicht. (lacht). Auch meine Schwiegertochter arbeitet mit.

Sie selbst sind noch immer Präsident auf allen zehn Golfanlagen. Warum ist Ihnen die persönliche Präsenz wichtig?

Ich möchte sehen, ob alles in Ordnung ist und ob der Kunde Golfer zufrieden ist. Das kann nur funktionieren, wenn die Qualität stimmt. Wir müssen alles im Blick haben.

Können Sie privat einen Golfplatz spielen, ohne ihn mit dem Blick des Landschaftsarchitekten und Betreibers zu analysieren?

Nein. Das kann man nicht ablegen. Wenn ich in Amerika, auf Mallorca, an der Costa del Sol, in Irland oder England spiele, schaue ich natürlich auf die Plätze. Viele Anlagen dort sind hervorragend – aber man bezahlt eben auch entsprechend dafür.

Was war die beste Entscheidung Ihres Lebens?

Golfplätze zu bauen. Und mich damit in meinem Beruf, in der Gestaltung der Landschaft, verwirklichen zu können. Ich konnte wirklich schöne Highlights schaffen, an denen andere Menschen Freude haben. Und ich selbst natürlich auch. Aber ich sage auch: es muss eben alles top erhalten werden.

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