Sonntag, Jan. 11, 2026
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Donald Trump und der Golfplatz als Machtkulisse

Er spielt nicht einfach Golf – er regiert vom Cart aus. Trumps Golfplätze sind Prestigeprojekte, politische Bühne und Familienimperium zugleich. Zwischen goldenem Driver, eigenem Regelwerk und zerstörten Dünen erzählt dieser Text von einem Mann, der das Spiel liebt – und es sich dennoch zurechtbiegt. Eine Geschichte über Macht, Image und ein Handicap namens Wahrheit.

Für Donald Trump war Golf nie bloß ein Spiel. Es ist Ausdruck seiner Persönlichkeit, Mittel politischer Inszenierung und zugleich identitätsstiftender Kern seines Imperiums. Seine 18 Golfanlagen weltweit sind keine Clubs im klassischen Sinn – sie sind monumentale Statements. Turnberry in Schottland, Bedminster in New Jersey, Doral in Florida – klangvolle Namen, die unter Trumps Ägide eine neue, goldglänzende Konnotation erhalten haben.

Als Trump 2014 den traditionsreichen Platz in Turnberry für 60 Millionen Dollar erwarb, versprach er, „den besten Golfplatz der Welt“ zu schaffen. Es folgte eine aufwendige Renovierung: Fairways wurden neu modelliert, Bunker versetzt, das Hotel in makellosen Hochglanz versetzt. Doch gleichzeitig wurde ein einzigartiges Dünenökosystem zerstört. Landschaftszonen unter strengem Naturschutz wurden eingeebnet, Dünen versiegelt, Windräder verboten. Aus einem ökologischen Juwel wurde ein Potemkinsches Golfdorf – prachtvoll inszeniert, innerlich jedoch verwüstet. Auch bei seinem jüngsten Projekt im schottischen Aberdeen – dem zweiten Trump-Platz in Schottland – regte sich Widerstand in der Bevölkerung. Die Proteste verhallten ungehört.

Der First Golfer – Diplomatie im Grasformat

Golf ist für Trump auch Außenpolitik auf dem Fairway. Staatschefs und Regierungsvertreter, die ihn besuchen, treffen ihn nicht selten auf dem Platz statt im Konferenzraum. Japans verstorbener Premier Shinzo Abe schenkte ihm während seiner ersten Amtszeit einen vergoldeten Driver von Honma, Deutschlands Kanzler Merz reiste zum Antrittsbesuch mit einem besonderen Putter an. Solche Gesten gehören zum Trump’schen Repertoire – der ehemalige US-Präsident weiß: Auf dem Grün entsteht mitunter mehr Vertrauen als bei offiziellen Pressekonferenzen.

Mit Shinzo Abe auf dem Tee – Diplomatie im Flight

Trump wäre nicht Trump, hätte er auf dem Golfplatz nicht auch seine eigene „Administration“. Wer mit ihm spielt, zählt zum inneren Zirkel – Politiker, Wirtschaftslenker, Golfstars. Bryson DeChambeau, LIV-Profi und einer der schillerndsten Akteure der von Saudi-Arabien finanzierten Tour, gilt als einer seiner engsten Golfpartner. DeChambeau lobt seinen „Golf Buddy“ öffentlich, nennt ihn einen „erstaunlich guten Spieler“ – und begleitet ihn regelmäßig auf dessen Anlagen. Auch die PGA Tour, einst auf Distanz zu Trump, nähert sich wieder an. Nach der Fusion mit der LIV-Tour kehren große Turniere auf Trump-Kurse zurück. Ein bemerkenswerter Imagewandel für den Mann, der vom Golf-Establishment lange gemieden wurde. 2025 soll auf Doral wieder ein Top-Event stattfinden, auch Turnberry steht als künftiger Austragungsort wieder zur Diskussion.

Donald Trump beim LIV Golf Event auf seiner Anlage in Bedminster | golfsupport.nl
Donald Trump beim LIV Golf Event auf seiner Anlage in Bedminster | golfsupport.nl

Der Geschäftsmann im Golfcart – Schummeln inklusive

Kaum ein Aspekt umgibt Trump so konstant wie sein fragwürdiger Umgang mit der Ehrlichkeit – auch auf dem Platz. Sein offizielles Handicap liegt bei bemerkenswerten 2,8 – ein Wert, der bei einem 79-Jährigen ohne regelmäßige Turnierpraxis Erstaunen hervorruft. Kritiker sprechen von „alternativer Zählweise“. Der amerikanische Autor Rick Reilly schrieb in seinem Buch Commander in Cheat:

„Trump schummelt nicht, um zu gewinnen. Er schummelt, weil er es nicht erträgt, zu verlieren.“

Caddys berichten von Bällen, die sich auf wundersame Weise näher an die Fahne bewegen. Spielpartner wundern sich über Birdies auf der Scorekarte, die sie selbst nie gespielt haben. Trump kontert solche Vorwürfe mit süffisantem Lächeln: „Ich verbessere nur die Realität – das macht Golf doch schöner.“ Ob kokette Selbstinszenierung oder tiefe Überzeugung – auf dem Platz gilt sein eigenes Regelwerk: Wer den längeren Drive schlägt, hat recht.

Golf als Familiensache – die Trumps im Flight

Golf ist bei den Trumps Familiensache. Die Söhne Donald Jr. und Eric führen die Geschäfte, präsentieren sich als Präsidenten des Familienunternehmens und sind omnipräsent auf den Clubterrassen. Mit seiner 18-jährigen Enkelin Kai – eine bemerkenswerte Nachwuchsspielerin – zeigte sich Trump beim diesjährigen Ryder Cup in New York. Sohn Eric gilt als ambitionierter Golfer und loyaler PR-Partner seines Vaters. Tochter Ivanka glänzt bei Charity-Turnieren, während Ex-Schwiegertochter Vanessa Trump mit Tiger Woods liiert ist – was den Familiennamen auf der Golflandkarte zusätzlich aufwertet.

Im Hause Trump ist Golf kein bloßes Hobby – es ist Erbsubstanz, Inszenierung, Statussymbol. Wer hier eine Tee-Time bucht, bezahlt nicht nur ein Greenfee, sondern erhält Eintritt in eine eigene Welt: eine Mischung aus Business-Class, Familiendynastie und Wahlkampfveranstaltung.

Trumps Anlage in Florida war 2026 Gastgeber eines Signature Events | Foto: Getty Images

Donald Trump und Golf – eine schillernde Beziehung

Donald Trump und Golf – das ist ein Verhältnis voller Widersprüche. Er liebt das Spiel, nutzt es als Bühne, formt es nach seinem Bild. Er fördert den Sport und gefährdet zugleich dessen Integrität. Er baut spektakuläre Plätze – und zerstört dabei wertvolle Naturräume. Vielleicht ist Trump auf dem Golfplatz tatsächlich das, was er selbst von sich behauptet: der Größte. Zumindest, wenn er selbst die Scorekarte schreibt.

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