Bekanntlich hat sich unser Clubhouse on Wheels von HYMER bei leichtem Schneefall von Deutschland und Österreich in Richtung Nordosten aufgemacht. Das Wetter war bisher nicht großartig, aber zumindest größtenteils trocken. Nun ja – diese Situation hat sich kurz vor dem Osterwochenende verändert. Signifikant.
Die SimplyGOLF-Redaktion wurde konsultiert. Allen voran unsere Chefredaktion – Klaus und JC – und beide waren sich einig: Wenn es nach Estland geht, dann muss Pärnu gespielt werden. Soweit so klar.
Nur hatte der Platz den Winterschlaf noch nicht ganz beendet. Damit standen wir vor der Frage, welcher Platz überhaupt spielbar ist. Auch aufgrund der Wettersituation fiel die Wahl schließlich auf Niitvälja Golf – einen sogenannten Steinwurf von unserem Campingplatz entfernt, mit dem eingängigen Namen Vanamõisa Caravan Park.

Die Anreise aus Riga war überschaubar. Autobahn: Fehlanzeige. Aber auch keine Schotterpiste. Für rund 1,4 Millionen Einwohner wäre eine fünfspurige Autobahn wohl ohnehin überdimensioniert. Also kamen wir am Freitag, den 3. April – kurz vor Ostern – im (fast) hohen Norden an.
Der Campingplatz überzeugte durch ein wirklich durchdachtes Layout. Alles sauber. Alles ordentlich. Alles gut – wäre da nicht Campen bei 3°C und Regen. Die Realität: Hunde nass. Schuhe nass. Handtücher zum Abtrocknen der Hunde – ebenfalls nass. Und bei gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit trocknet auch nichts mehr.
Campingprofis würden von einem Härtetest sprechen. Wir hätten darauf verzichten können. Miss Maisel und Lenny war es übrigens vollkommen egal, ob sie trocken, halb oder ganz nass waren.

Aber es geht hier ja um Golf. Also zurück zum Thema. Zurück zum „Home of Estonia Golf“.
Nach einem kurzen, fast österlichen Frühstück trafen wir gegen 10:00 Uhr am Golfplatz ein. Meine Annahme, dass ich bei diesen Temperaturen alleine eine Runde drehen würde, wurde nicht nur enttäuscht – ich habe selten bei 3°C einen derartigen Andrang erlebt.
Das Clubhaus fügte sich im skandinavischen Holzdesign perfekt in die estnische Landschaft ein. Das Restaurant war noch geschlossen, die Sauna hingegen bereits in Betrieb.

Unklar blieb, ob viele der passionierten Golferinnen und Golfer die Runde bei 3°C tatsächlich spielen wollten – oder ob die Sauna das eigentliche Ziel war. Ich selbst hätte den direkten Weg dorthin bevorzugt. Aber: erst die Runde, dann (vielleicht) Sauna.
Die Practice Area ist beeindruckend groß. Die Driving Range zieht sich gefühlt 150 Meter in die Länge, ausgestattet mit zwei Ballautomaten. Auch Chipping- und Putting-Bereich sind großzügig dimensioniert. Lediglich die Temperaturen sorgten dafür, dass die Aufwärmphase auf rund 25 Bälle reduziert wurde.
Der Platz selbst ist wunderschön angelegt. Die Temperaturen ändern daran nichts. Idealerweise wäre die Vegetation am Platz noch einen Schritt weiter, aber Anfang April in Estland braucht keine weitere Erklärung. Wasser ist ein ständiger Begleiter, eingebettet in einen alten, gewachsenen Baumbestand, der dem Platz eine ruhige, natürliche Struktur verleiht; einfach zum Genießen.

Besonders eindrucksvoll präsentieren sich Loch 2, ein Par 3, und Loch 3, ein Par 4, die sich elegant um einen großen Teich schlängeln. Generell fällt es schwer, einzelne Löcher hervorzuheben – der Platz wirkt als Gesamterlebnis. Für mich persönlich war Loch 15 dennoch das Highlight.
Spielerisch blieb mein Auftritt überschaubar. Von einem Birdie meilenweit entfernt, waren Pars auf der 6 (Par 3), der 7 (Par 4), der 10 (Par 4) und der 12 (Par 4) die Höhepunkte des Tages. Danach ging die Performance eher in Richtung Marianengraben als in lichte Höhen.
Die Sauna musste letztlich warten. Die Gnocchi mit Hühnchen, Koriander und Weißweinsauce standen quasi bereit – und gewannen dieses Duell deutlich.
Was bleibt? Ein fast voll ausgelasteter Kurs, schnell spielende estnische Kolleg:innen, überraschend gute Bedingungen und das Gefühl, dass im Norden 3°C tatsächlich als hervorragendes Golfwetter gelten.

Am Sonntag wurde das Wetter nochmals schlechter. Statt Golf stand daher ein Abstecher nach Tallinn auf dem Programm. Eine wirklich sehenswerte Stadt – charmant, historisch und mit Menschen, die noch eine Spur freundlicher wirken als in anderen Teilen des Baltikums.

Aufgrund der Wettervorhersage entschieden wir uns schließlich, bereits am Ostersonntag die Heimreise anzutreten – mit einem nächtlichen Zwischenstopp in Riga.
Ja, richtig: Industrieromantik. Immerhin wussten wir inzwischen, wo man die Wäsche waschen könnte.
Euer SimplyGOLF-Team | Bernhard, Hanna, Miss Maisel & Lenny

