Freitag, Mai 1, 2026
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Anja Purgauer und ScorePal: Golftraining neu denken

Es gibt Menschen, die verlassen den Leistungssport – und andere, die tragen ihn weiter, nur in anderer Form. Mit ScorePal hat die MidAm-Nationalspielerin Anja Purgauer eine Trainings-App entwickelt, die Golf ganzheitlicher, zugänglicher und zeitgemäßer machen will.

Dass Anja Purgauer einmal eine Golf-App entwickeln würde, war nicht der offensichtliche Karriereplan einer Spielerin, die früh als Ausnahmetalent galt. Mit zwölf Jahren wurde sie ins österreichische Nationalteam aufgenommen – als damals jüngste Spielerin überhaupt. Es folgten zahlreiche Nachwuchstitel, sechs- bis siebenfache Staatsmeisterschaften in Jugendklassen, nationale Meistertitel und 2013 der sportliche Höhepunkt: EM-Silber mit Österreich in England. „Das war schon ein Mega-Erfolg für Österreich“, sagt sie rückblickend. „Und ein super Erlebnis, dabei zu sein.“

Es war eine Generation, die Golf auf höchstem Niveau lebte – lange bevor Daten, Trackman und permanente Leistungsanalyse den Alltag prägten. Vielleicht liegt gerade darin ein Schlüssel für das, was Purgauer heute antreibt. „Wir haben früher gelernt, dass es nicht immer nur um Statistik geht“, sagt sie. „Sondern um effizientes Training, um Gefühl, um Course Management und das Mentale.“ Dieser Gedanke zieht sich heute wie ein roter Faden durch ScorePal, die App, mit der die gebürtige Welserin Golftraining neu denken will.

Gegen die Idee des perfekten Schwungs

In einem Sport, der häufig über Korrektur funktioniert, setzt Purgauer bewusst einen Gegenakzent. Das Leitmotiv ihrer Plattform lautet: Nicht der perfekte Schwung zählt – sondern der eigene. „Ich glaube nicht daran, Leuten aufzuzwingen, so muss ein Schwung aussehen“, sagt sie. „Wir glauben nicht an den einen perfekten Schwung. Wir glauben an deinen.“ Das ist nicht nur ihr Claim, sondern beinahe ein Manifest.

Purgauer argumentiert mit Erfahrung. Unterschiedliche Körper, unterschiedliche Bewegungsmuster, unterschiedliche Voraussetzungen – warum sollte es dafür nur ein technisches Ideal geben? Selbst auf der Tour seien die besten Beweise zu sehen. „Wenn man auf die Tour schaut, sieht man so viele verschiedene Schwünge“, sagt sie. Diese Haltung macht ScorePal bewusst anders als klassische Trainingsplattformen. Die App verbindet Technik, Mentaltraining, Fitness und Course Management – vier Bereiche, die Purgauer als untrennbar versteht. Das Entscheidende: Sie will nicht nur besseres Golf ermöglichen, sondern leichteres.

„Viele machen sich viel zu viele Gedanken um Zahlen. Gerade Hobbygolfern sollte es doch zuerst darum gehen, Spaß zu haben.“

Vom Nationalteam ins Unternehmertum

Dass ausgerechnet eine ehemalige Spitzenspielerin eine digitale Plattform baut, wirkt nur auf den ersten Blick ungewöhnlich. Für Purgauer war der Schritt logisch. Nach Verletzungen und der Entscheidung gegen eine Profikarriere stellte sich die Frage neu: Wie bleibt man im Golf – aber anders? Teaching Proette zu werden war bewusst nicht ihr Weg. „Mit einer App komme ich einfacher an die breite Masse“, sagt sie. „Und Menschen können selbstständig immer wieder auf Übungen zurückgreifen.“

Bemerkenswert ist, dass die Idee nicht mit einem Entwicklerteam begann, sondern mit Eigeninitiative. Den ersten Prototypen programmierte Purgauer selbst. „Ich habe mich hingesetzt und einfach drauflos gearbeitet“, erzählt sie. „Und dann mit Testern ausprobiert, was funktioniert.“ Erst danach kam professionelle Entwicklung hinzu. Diese Hands-on-Mentalität prägt auch das Unternehmen. Der Name ScorePal – aus Score und „Pal“ für Freund – ist Programm. „Wir wollen nicht belehrend sein“, sagt Purgauer. „Wir wollen wie ein Freund an der Seite der Golfer stehen.“

Eine Partnerschaft, die auf Vertrauen gebaut ist

Zu dieser Geschichte gehört auch Nina Mühl. Früher Teamkollegin, heute wichtige Sparringspartnerin und Inputgeberin für Inhalte. Die Verbindung reicht zurück in gemeinsame Nationalteam-Tage, heute fließt Mühls Erfahrung aus dem Tour-Golf in Übungen und Content ein: „Sie übernimmt einen riesengroßen Part und gibt super Input aus ihrer Zeit auf der Tour.“ Dass aus früherem Teamgeist heute unternehmerische Zusammenarbeit geworden ist, passt zu einem Projekt, das stark über Gemeinschaft denkt.

ScorePal: Golf soll zugänglicher werden

ScorePal ist noch jung, aber die Richtung ist klar. Seit dem Launch im April 2026 wächst die Plattform, mit Free-, Plus- und Pro-Modellen, individualisierten Programmen und Übungen, die auch zuhause funktionieren. Der Zugang ist niedrigschwellig: Bereits in der kostenlosen Version können Nutzer erste Trainingsvideos, Übungen und Inhalte kennenlernen. Wer tiefer einsteigen will, erhält mit dem Jahresabo um 99,99 Euro Zugang zum Kernangebot der Coaching-App – einem umfassenden Trainingsbereich mit Videos und Übungen aus den vier Bereichen Technik, Mental, Fitness und Course Management, dazu strukturierte Programme, Challenges und Inhalte, die sich individuell in den eigenen Trainingsalltag integrieren lassen. Die Pro-Variante um 149,99 Euro bietet darüber hinaus erweiterte Inhalte und zusätzliche Features für ambitionierte Spieler. Die Idee dahinter: Golftraining soll flexibel funktionieren – auf der Range, zuhause oder zwischen zwei Runden.

Genauso geradlinig und geradezu demokratisch ist die Haltung dahinter. Wissen aus dem Spitzensport soll nicht exklusiv bleiben, sondern für jene zugänglich werden, die besser spielen wollen – ohne sich permanent unter Druck zu setzen. Golf als Spiel, das Leistung und Leichtigkeit nicht als Gegensatz begreift. Purgauer selbst verkörpert diesen Ansatz. Die 34-Jährige lebt in Wien, spielt für den GC Wien und hat mit Handicap -2,1 ihre sportliche Klasse nie verloren. Geblieben sind Ehrgeiz, analytisches Denken und unternehmerische Energie.

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