Samstag, Feb. 14, 2026
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Golfen im Oman: Ein Geheimtipp, wo der Orient noch still ist

Zwischen Indischem Ozean und steilen Bergkulissen liegt einer der letzten unentdeckten Golfspots der Arabischen Halbinsel. Keine Touristenströme, keine Hochhäuser, dafür menschenleere Fairways, Plätze die unter die Haut gehen und eine Gastfreundschaft, die tief sitzt. Der Oman ist die Ruhepol-Alternative zu Dubais überlaufenen Wüstenplätzen – und die spannendste neue Golfdestination der Region.

Stellen Sie sich vor: Sie stehen morgens um halb neun auf einem Abschlag, hinter Ihnen türmen sich die kahlen Gipfel des Hadschar-Gebirges auf, vor Ihnen rollen die Fairways sanft durch natürliche Dünen bis hinunter zum Indischen Ozean. Der Wind riecht nach Salz und Weite, und das Einzige, was die Stille durchbricht, ist das Klackern der Schläger im Trolley. Willkommen im Oman.

Lange Zeit war das Land am östlichsten Zipfel der Arabischen Halbinsel ein Geheimtipp für Individualreisende, die der grellen Luxus-Fassade der Emirate entfliehen wollten. Für Golfer hingegen war es eine weiße Landkarte. Das ändert sich jetzt. Denn der Oman hat nicht nur Strände, Wadis und Wüsten – er hat plötzlich auch Golfplätze, die sich sehen lassen können. Und das Beste: Sie sind bezahlbar, leer und von einer beeindruckenden Schönheit.

REISETIPP OMAN: DIE BESTEN ECKEN

Der Oman ist kein Land der Mega-Malls, sondern der Mega-Kulissen. Drei Regionen sollten Sie auf dem Zettel haben – und sie könnten unterschiedlicher kaum sein.

Die Musandam-Halbinsel ragt wie ein abgetrennter Finger an der Straße von Hormuz ins Meer. Wer hierher reist, fühlt sich an Norwegen erinnert, nur dass die Fjorde türkis schimmern. In Khasab mietet man eine Dhau und fährt hinaus – Delfine springen fast immer neben dem Boot, und zwischen den tausend Meter hohen Felswänden ist die Stille so tief, dass man das Knacken der Schalentier-Panzer auf dem Bootsboden hört.

Das Hadschar-Gebirge ist das Rückgrat Omans. Hier endet der Wüstenstaub und beginnt das grüne Wunder. Der Jebel Shams, mit über 3000 Metern der höchste Berg, blickt hinab auf das Wadi Nakhar – den Grand Canyon der Einheimischen. Noch spektakulärer ist der Jebel Akhdar, der Grüne Berg, an dessen Terrassen Granatäpfel, Damaszenerrosen und Dattelpalmen wachsen, bewässert vom jahrhundertealten Faladj-System, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die Wahiba Sands sind das Dünenmeer der Beduinen. Die Sharqiyah Sands sind kein staubiges Einerlei, sondern ein Farbenspiel aus Orange, Rot und Gold. Hier übernachtet man bei Beduinen, isst Shuwa – im Erdofen gegartes Ziegenfleisch – und schaut in einen Sternenhimmel, so klar, dass man die Milchstraße mit bloßen Augen greifen kann.

Maskat schließlich ist sozusagen Anti-Dubai. Wolkenkratzer sucht man vergeblich – per Gesetz darf kein Gebäude höher als neun Stockwerke sein, damit die weißen Moscheen die Skyline dominieren. Die Sultan-Qabus-Großmoschee sollten Sie besuchen, nicht nur wegen des zweitgrößten Perserteppichs der Welt, sondern weil sie Nichtmuslime mit einer Offenheit willkommen heißt, die man selten findet.

GOLF IM OMAN: PLÄTZE, DIE KAUM EINER KENNT – ABER JEDER SPIELEN SOLLTE

Vergessen Sie die überlaufenen Wüstenplätze Dubais. Der Oman hat Golf, das unter die Haut geht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Hier spielen Sie nicht zwischen Hochhäusern, sondern zwischen Bergen, Meer und jahrhundertealten Wadis. Drei Plätze sollten Sie dabei unbedingt auf dem Radar haben. Weitere Kurse sind im Entstehen – der Oman ist als Golfdestination noch jung, aber vielversprechend.

ALMOUJ GOLF – DER LINKSPLATZ AM INDISCHEN OZEAN

Wer nach Maskat fliegt, sieht ihn schon bei der Landung: Der von Greg Norman designte Almouj Golf Course liegt direkt am Flughafen – und doch gefühlt am Ende der Welt. Es ist der erste echte Links-Course des Oman, und das merkt man sofort. Der Wind fegt ungebremst vom Indischen Ozean herein, die Fairways schlängeln sich durch natürliche Dünen, und der Blick schweift auf der einen Seite aufs Meer, auf der anderen auf das Hadschar-Gebirge. Eine Kulisse, die süchtig macht.

Der einladende Links-Kurs in Almouj Golf – Foto (c) Almouj Golf

Mit 6.675 Metern von den hinteren Abschlägen und Par 72 ist der Platz durchaus fordernd, doch fünf verschiedene Abschlagpositionen machen ihn für jedes Handicap bespielbar. Die Bunker sind exzellent positioniert, mehrere Wasserhindernisse lauern, und der Wind kann aus einem harmlosen Par-4 schnell einen Par-5-Gegner machen. Besonders tückisch sind die kurzen Par-4-Löcher 4 und 14, deren Grüns zum Wasser hin abfallen. Das 17. Loch ist ein Monster-Par-4 mit langem Annäherungsschlag gegen den Wind, bevor die 18 als Par-4-Dogleg elegant die Küste entlangführt.

Der Zustand des Platzes ist exzellent, die Grüns sind schnell und ehrlich. Ein beleuchteter 9-Loch-Platz für die schnelle Runde am Abend, eine Driving Range und ein erstklassiger Pro-Shop runden das Angebot ab. Das Greenfee liegt zwischen 100 und 140 Euro, je nach Saison und Tageszeit.

RAS AL HAMRA GOLF CLUB – DAS WUNDER IM WADI

Idyllisch in einem Wadi gelegen, zwischen dem alten und dem neuen Maskat, versteckt sich der älteste Golfclub des Oman. Ras Al Hamra wurde 1969 als Sandplatz eröffnet – damals noch für die Mitarbeiter der Petroleum Development Oman. Heute hat Graham Marsh Golf Design ihn in eine grüne Oase verwandelt, und doch spürt man hier noch den Geist der Pioniere.

Das Besondere an diesem Platz: Er hat nur neun Löcher – aber durch zwei verschiedene Abschlagpositionen und oft zwei separate Grüns pro Bahn kann man ihn als 18-Loch-Anlage spielen. Das ist keine Spielerei, sondern clevere Architektur. Zudem ist es der erste komplett flutlichtbeleuchtete Platz des Landes, mit Spielzeiten von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends – ideal für eine Runde nach Feierabend oder in den heißen Sommermonaten.

Eine imposante Anlage: Foto (c) Ras Al Hamra Golf

Die Löcher sind eine Reise durch die Golf-Geschichte. Das zehnte Loch ist ein risikoreiches Par-5 mit riesigem Doppelgrün – hohes Risiko, hohe Belohnung. Das 16. Loch ist ein Halbinselgrün, links und hinten durch einen See geschützt, das Nerven aus Stahl verlangt. Die größte Kuriosität: Das letzte Loch wird in der Hinrunde als Par 4, in der Rückrunde als Par 5 gespielt, sodass der Platz insgesamt Par 71 hat – eine kleine golfarchitektonische Spielerei, die man so schnell nicht vergisst.

Der Zustand ist sehr gut, mit exzellenten Fairways und Grüns. Ein wunderschöner Strandclub lädt zum Baden im kristallklaren Wasser des Golfs von Oman ein, und das Essen in der Bar schmeckt gut. Das Greenfee liegt bei angenehmen 60 bis 85 Euro.

LA VIE GOLF CLUB – DAS NEUE LEBEN EINER LEGENDE

Der erste Golfplatz, der jemals im Oman gebaut wurde – und das auf Initiative von höchster Stelle: Sultan Qabus bin Said persönlich gab einst den Bau des Platzes in Auftrag. Heute trägt dieser Ort einen neuen Namen. La Vie Golf Club, La Vie, französisch für „das Leben“, heißt das ambitionierte Golf- und Immobilienprojekt, das den ehemaligen Muscat Hills Golf Course wiederauferstehen lässt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Anlage wurde komplett überarbeitet und wird ab sofort von Troon Golf verwaltet, einem der weltweit führenden Unternehmen im Golfplatz-Management. Der 18-Loch-Platz im Wüstenstil liegt nach wie vor spektakulär zwischen Hügeln und Wadis und bietet atemberaubende Ausblicke in die Buchten der Maskater Berge. Er fügt sich perfekt in die natürliche Topografie ein, der Wind spielt auch hier eine Rolle, aber die Lage ist geschützter als in Almouj.

Wer hier spielt, geht nicht nur auf den Spuren eines Sultans, sondern erlebt auch die ambitionierteste Golf-Neuentwicklung des Landes. Das Greenfee liegt bei 70 bis 100 Euro.

GOLFEN IM OMAN: LOHNT SICH DER FLUG?

Die Frage ist schnell beantwortet: Ja, eindeutig. Aber man sollte mit der richtigen Erwartung kommen. Wer hierher reist, darf keine Perfektion erwarten. Die Plätze sind nicht makellos, aber sie sind charakterstark, fair und vor allem angenehm relaxed zu spielen. Mit durchschnittlichen Greenfees von 70 bis 100 Euro liegt der Oman preislich deutlich unter den Spitzenplätzen der VAE, wo oft 200 bis 300 Euro fällig werden. Dafür bekommt man mindestens genauso viel Exotik – und eine Ruhe, die in Dubai längst verloren gegangen ist.

AUF EINEN BLICK: SICHERHEIT, POLITIK & ANREISE

Wer nach Oman reist, kann sich auf eines der sichersten Länder der gesamten Region einstellen. Die Kriminalitätsrate ist verschwindend gering, Gewaltverbrechen sind praktisch unbekannt. Lediglich die Grenzregion zum Jemen sollte man meiden, und in den Wadis ist nach starken Regenfällen Vorsicht vor Sturzfluten geboten – jedes Jahr gibt es Unfälle, weil Menschen die Gefahr unterschätzen.

Politisch ist der Oman eine absolute Monarchie, doch für Reisende spielt das kaum eine Rolle. Seit 2020 regiert Sultan Haitham bin Tariq Al Said das Land mit ruhiger Hand und setzt die Tradition der Neutralität und Offenheit fort. Kritik am Herrscher ist tabu, aber als Gast spürt man davon nichts – im Gegenteil: Die Omanis begegnen Besuchern mit einer Herzlichkeit, die man so selten findet.

Die Anreise ist überraschend unkompliziert. Von Frankfurt, München oder Zürich aus fliegt Oman Air mehrmals pro Woche nonstop, ab Juni fliegt die Billiglinie SalamAir auch von Wien direkt. Die Flugdauer ist annehmbar mit etwa sechseinhallb Stunden. Kürzer als in die Karibik, und doch landet man in einer völlig anderen Welt.

KULTUR, STRÄNDE UND ESSEN: WAS DEN OMAN WIRKLICH BESONDERS MACHT

Der Oman ist islamisch, aber liberal – kein Vergleich zu den strengen Nachbarn. Alkohol gibt es in lizenzierten Hotels, und Frauen müssen keine Ganzkörperverschleierung tragen. Allerdings sollte man Respekt zeigen: Bikini am öffentlichen Strand ist nicht gern gesehen. Schultern und Knie bedeckt zu halten, ist eine Frage der Höflichkeit. In den Wadis und am Hotelpool ist Bademode in Ordnung, sobald man den Strand verlässt, wird die Tunika übergezogen. Foto (c) Pexels.

Die Küste ist traumhaft. Besonders die Daymaniyat-Inseln sind ein Tauch- und Schnorchelparadies. Wer Glück hat, sieht hier nicht nur bunte Korallen, sondern auch Meeresschildkröten und Delfine. Wer ganz viel Glück hat, ist im Juni oder August an den Stränden von Ras al Jinz, wenn die riesigen Suppenschildkröten ihre Eier in den Sand legen – ein uraltes Schauspiel, das man so nah nur hier erleben kann.

Die omanische Küche ist eine stille Fusion der Kulturen – indische Gewürze treffen auf persisches Rosenwasser und afrikanische Aromen. Das Nationalgericht ist Shuwa: Lamm oder Ziege, das bis zu 48 Stunden in einer duftenden Gewürzmischung aus Kreuzkümmel, Kardamom und Zimt mariniert, dann in Bananenblätter gewickelt und bis zu zwei Tage im Erdofen vergraben wird. Heraus kommt Fleisch, so zart, dass es von den Knochen fällt – rauchig, würzig und unvergesslich.

BESTE REISEZEIT: NOVEMBER BIS MÄRZ

Hier sind sich alle Quellen einig: Die ideale Reisezeit ist von November bis März. Dann liegen die Temperaturen an der Küste bei angenehmen 25 bis 30 Grad. Im Landesinneren und in der Wüste wird es nachts frisch, eine Jacke gehört also ins Gepäck, aber tagsüber ist es perfekt zum Wandern, Sightseeing und Golfen. Der April ist bereits grenzwertig mit Temperaturen bis 35 Grad, und ab Mai wird es im Norden eine einzige Heizung mit über 40 Grad. Die einzige Ausnahme ist der Süden um Salalah, wo von Juni bis September Khareef-Saison herrscht – es regnet, und die Wüste blüht auf. Ein surreal schönes Schauspiel, das vor allem Besucher aus den Golfstaaten anzieht, für den europäischen Geschmack aber oft zu schwül ist.

Für Golfer bedeutet das: Hauptsaison ist der Winter. Die Grüns sind dann am besten, der Wind am freundlichsten und die Tage lang genug für eine Runde nach dem Sightseeing.

IST OMAN TEUER? JA – UND NEIN

Oman gilt als moderat teuer. Es ist günstiger als die VAE, aber teurer als der globale Durchschnitt. Ein Direktflug kostet ab 350 bis 500 Euro. Mit einem Mietwagen kann man die interessanten Spots des Landes erkunden, idealerweise nehmen Sie dafür einen Allrad-PKW. Der schlägt dann mit etwa 60 bis 80 Euro pro Tag zu Buche. Benzin ist hingegen mit 40 bis 50 Cent pro Liter spottbillig. Gute Mittelklassehotels bekommt man für 45 bis 85 Euro pro Nacht, Luxusresorts kosten ab 150 Euro aufwärts. Gewußt wo: Essen geht lokal sensationell günstig, in Hotelrestaurants zahlt man das Vierfache.

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