Wenn der Links Course Geschichten erzählt
Der Mann, der uns im Clubhaus von Aberdovey anspricht, trägt ein strahlendes Lächeln. Er hat uns zunächst für Deutsche gehalten. Als wir erklären, dass wir aus Österreich kommen, kommen wir ins Gespräch. Sein Name: Nick Mumford.
Bis vor wenigen Wochen war Nick Caddie von Bernd Wiesberger. Zuvor hatte er bereits die Bags des Finnen Mikko Korhonen und des Italieners Francesco Laporta getragen. Die Zusammenarbeit mit Wiesberger endete überraschend von einem auf den anderen Tag, erzählt er etwas verbittert. Dabei sei man gerade mit dem DP-World-Tour-Sieg in China wieder auf die Erfolgsspur gekommen.
Doch sobald das Gespräch auf Aberdovey und den berühmten Links Course kommt, kehrt das Strahlen ins Gesicht zurück. Die Runde bei traumhaftem Wetter hat auch Nick sichtlich gefallen.
Am nächsten Tag sind endlich wir an der Reihe. Runde fünf unserer Reise. Zur Mittagszeit stehen wir am ersten Abschlag, und der mehr als 100 Jahre alte Links Course präsentiert sich in perfektem Zustand.

Selbst die wochenlange Hitzeperiode hat dem traditionsreichen Platz nichts anhaben können.
Sein heutiges Gesicht erhielt Aberdovey über die Jahre durch die Meisterarchitekten Herbert Fowler, James Braid und Harry Colt. Ab Loch zwei geht es in die Dünen. Auf der fünften Bahn, einem langen Par 3, wechselt erstmals die Richtung. Der Wind ist an diesem Tag erstaunlich moderat und schläft bei Loch zwölf beinahe vollständig ein.
Vom Grün des bergauf gespielten Signature Holes, einem Par 3, bietet sich ein spektakulärer Blick über den kilometerlangen Sandstrand bis zum Nachbarort Tywyn.

Doch die letzten sechs Löcher führen zurück Richtung Clubhaus – und die letzten drei haben es noch einmal in sich.
Loch 16, ein kurzes Par 4, verläuft direkt entlang der Eisenbahn. Wer das Grün direkt attackieren will, muss sogar über die Schienen spielen. Rund 250 Meter sind es nur. Doch die Ausgrenze auf der einen Seite, dichtes Rough, Ginster und ein tiefer Topfbunker auf der anderen machen aus dem vermeintlichen kurzen Weg eine ziemlich riskante Angelegenheit. Einige aus unserer Gruppe müssen das schmerzhaft erfahren.
Die Löcher 17 und 18 sind danach zwei wunderschöne Par 4.

Das Herz schlägt schneller, die Runde neigt sich dem Ende zu. Auf der 18 bleibt die Birdie-Chance. Der Putt aus knapp vier Metern fällt nicht.
Doch nach der Runde interessiert das niemanden mehr wirklich. Wir stehen auf der Terrasse, ein Pint in der Hand, und schauen zurück auf den Platz. So schön kann Links-Golf sein. Und dann lernen wir noch einen Mann kennen, dessen Gedächtnis offenbar noch beeindruckender ist als dieser Golfplatz.

