Nach drei Golftagen in und rund um Llandudno heißt es Abschied nehmen. Das „Clubhouse on Wheels“ steht bereits auf dem Parkplatz. Die Golfausrüstung ist verstaut, Hywel sitzt am Steuer – und vor uns liegt eine rund zweistündige Fahrt nach Aberdovey.
Schon die Anreise wird zum Erlebnis. Die Route führt durch das beeindruckende Bergmassiv des Snowdonia-Nationalparks. Wir fahren über Pässe und durch Täler, vorbei an Landschaften, die mitunter eher an die schottischen Highlands erinnern. Dazwischen verwaiste Landstriche, Berge und immer wieder Ausblicke, bei denen selbst die Unterhaltung im Bus kurz verstummt.
In Aberdovey, dort, wo der Dovey-Fluss in den Atlantik mündet, beziehen wir Quartier in zwei Bed & Breakfasts. Im Seabreeze-Restaurant wird zunächst hochkarätig Abend gegessen.

Und am nächsten Morgen wartet bereits der nächste Links Course.
Aus Aberdovey geht es zum Golfclub Borth & Ynislas, südlich der Dovey-Mündung. Luftlinie sind es nur wenige Kilometer, doch mit dem Bus dauert die Fahrt gut 50 Minuten. Die nächste Brücke liegt rund 20 Minuten im Landesinneren.
Borth & Ynislas gehört zu den ältesten Golfclubs in Wales. Bereits 1885 wurde hier Golf gespielt. Ob der Club damit tatsächlich der älteste des Landes ist, bleibt allerdings offen. Offizielle Dokumente über eine Gründung gibt es nicht. Auch Tenby im Süden von Wales erhebt mit seinem Gründungsjahr 1888 Anspruch auf diesen Titel.


Das heutige Design stammt von Harry Colt aus dem Jahr 1947. Der klassische Verlauf führt hin und zurück, parallel zur Cardigan Bay. Die Eisenbahnlinie bildet die östliche Begrenzung.
Schon das zweite Loch zeigt, worauf man sich hier einlässt: ein gut 400 Meter langes Par 4, das sich direkt zwischen Strand und Eisenbahnlinie erstreckt.

Der Platz verlangt präzises Spiel. Rollende Fairways, Mulden und strategisch platzierte Bunker machen die Aufgabe nicht einfacher. Und dann ist da noch der Wind, den die Einheimischen „Borth Breeze“ nennen.
Ein schöner Name für einen Begleiter, der während der Runde nur selten nachlässt. Nach dem Spiel geht es zurück nach Aberdovey. Im Clubhaus herrscht an diesem Abend besonders viel Betrieb, denn am selben Tag wurde auf dem Links die britische Seniorenmeisterschaft ausgetragen.
Und dann spricht uns ein Mann an. „Are you Germans?“ „No, we are from Austria.“ Damit beginnt eine der überraschendsten Begegnungen dieser Reise.

