Mittwoch, Apr. 8, 2026
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Wir kennen sie alle – die nervigsten Golftypen

Nirgendwo zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen so ungeschminkt wie auf dem Golfplatz. Was manchmal bei vier Stunden auf dem Fairway ans Licht kommt, dafür braucht es in der Therapie womöglich Jahre. Wer die Kommentarspalten in den sozialen Medien verfolgt, weiß: Jeder hat seine eigene Geschichte über den einen Typen, der ihm die Runde zur Geduldsprobe macht. Höchste Zeit für eine kleine Feldforschung.

Es ist ein sonniger Morgen auf dem Fairway. Die Vögel zwitschern, der Rasen glitzert, die Vorfreude auf vier Stunden Golf ist groß. Dann passiert es: Der Flight füllt sich mit Charakteren, für die das Wort Entspannung eine Erfindung der Werbeindustrie zu sein scheint. Da wäre der getarnte Vielspieler, der beteuert, seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt zu haben – während sein kürzlich installierter Keller-Simulator eine andere Sprache spricht. Oder der hackende Styler, der wie ein Tour-Pro daherkommt, um seinen Driver majestätisch auf stolze 120 Meter zu schubsen. Und wer kennt ihn nicht, den Super-Konzentrierten, der das Durchspielen lassen verweigert, als ginge es um die Rettung der Weltwirtschaft?

Doch damit nicht genug. Wir kennen noch weitere Exemplare, die die Fairways unsicher machen.

Der ungebetene Schwungtrainer

Schlägt selbst wie jemand, der mit einem Besenstiel eine Wespe aus dem Zimmer zu treiben versucht. Aber das ist ihm herzlich egal, denn sein eigentlicher Beruf auf dem Platz ist der des Lehrers. „Du nimmst den Schläger zu weit innen“, diagnostiziert er am ersten Abschlag, kurz bevor er seinen eigenen Ball in die Bäume jagt. Der höfliche Hinweis, man arbeite bereits mit dem eigenen Pro, wird quittiert mit der Miene eines Arztes, dem man erklärt, man würde seinen Blinddarm lieber selbst herausschneiden.

Der Wanderer

Irgendwo hat er die Statistik aufgeschnappt, dass Golfer im Schnitt fünf Jahre älter werden. Also steht er nun hier – nicht, weil ihn der Sport fesselt, sondern weil er seine Rente ein bisschen strecken möchte. Die Etikette des Spiels? Ein Buch mit sieben Siegeln. Puttlinien überquert er, als wären sie Feldwege. Divots im Grün? Nicht seine Baustelle. Und wenn der Chip misslingt, dann halt noch ein zweiter Versuch. Oder ein dritter. Man trifft den Wanderer meist jenseits der 65. Die eigentliche Tragödie: er ist tiefenentspannt, du als Flightpartner bist innerlich zum Zerreissen gespannt.

Der Equipment-Gläubige

Neue Schläger? Selbstverständlich – und das nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Die Frage ist nur, ob es diesmal wirklich die richtigen sind, denn bei den letzten vier Garnituren war irgendetwas noch nicht optimal: der Loft, der Lie-Winkel, der Schaft, die Griffe. Jeder Schlag – ob gut oder schlecht, und meistens ist er schlecht – wird auf das Material zurückgeführt. Ein langjähriger Bekannter dieser Spezies hat in zwölf Jahren vier komplette Eisengarnituren, sieben Driver und drei Putter angeschafft. Sein Handicap ist in dieser Zeit von 18,4 auf 19,1 gestiegen – er führt das auf den Klimawandel zurück.

Der Handicap-Relativierer

Sein offizielles Handicap ist 22 – aber das stimmt nicht. Sein echtes Handicap sei deutlich besser, vielleicht sechs oder acht. Nur habe er in letzter Zeit wenig gespielt, der Rücken zwicke, die Bahnen heute seien auch unglücklich, und überhaupt. Jeder schlechte Score hat einen außerhalb der eigenen Person liegenden Grund. Jeder gute Score ist der endgültige Beweis des verkannten Talents. Ein gestandener Platzveteran erzählt von einem Relativierer, der nach einem 108er Score am Neunzehnten erklärte, er habe sein eigentliches Spiel heute leider wieder nicht zeigen können – ohne jede Ironie, vollständig ernst.

Der Turnier-Streber

Er ist der Grund, warum manche Golfer Freizeitrunden dem Wettkampf vorziehen. Nicht weil er schlecht spielt – sondern weil er das Leben anderer Menschen zur reinen Regularienprüfung macht. Zu Beginn einer Runde gibt er sich noch lässig, aber sobald der Wettkampfmodus greift, verwandelt er sich. Er kennt das Regelwerk in der aktuellen Fassung inklusive aller Appendizes und offiziellen Klarstellungen. Das ist, für sich genommen, respektabel. Das Problem ist die Anwendung. Bei eigenem Vorteil bemerkenswert flexibel, bei fremdem Vorteil hingegen ist er schnell zur Stelle. Und seine Laune ist meist eine direkte Funktion seines Scores. Spielt er gut, ist die Welt in Ordnung. Spielt er schlecht, zieht sich eine Wolke zusammen, die selbst den sonnigsten Tag verdunkelt. Da hilft nur eines: Abstand. Viel Abstand.

Der mitfühlende Schlechtmacher

Vordergründig der netteste Mensch auf dem Platz. Fast zu nett. Seine Spezialität ist das Lob, das sich bei genauem Hinhören als präzise konstruierte Demontage entpuppt. „Das war für deine Verhältnisse wirklich gut“ – das klingt nach Anerkennung, ist es aber nicht. „Du hast definitiv Tage, an denen du viel schlechter spielst“ – statistisch korrekt, dennoch kein Kompliment.

Der übermotivierte Digitalversteher

Drei Apps, eine GPS-Uhr, ein Laser, ein Bluetooth-Knopf im Ohr. Er konsultiert alle Geräte, gleicht Werte ab und überführt die Ergebnisse in eine persönliche Gesamtbewertung – das dauert an manchen Bahnen länger als die Betankung eines Kleinwagens. Nach 27 Sekunden App-Analyse schlägt er das Eisen 8 auf 143 Meter – direkt in den nächsten Bunker. Er sieht auf sein Gerät, dann auf den Bunker, dann tippt er etwas ein. Vermutlich eine Rezension.

Der radikale Analyst

Die Runde ist vorbei. Das ist nicht das Ende – das ist die Eröffnung. Denn jetzt beginnt der eigentliche Auftritt. Er rekonstruiert jedes Loch, jeden Schlag, jeden Lesefehler, jede Windrichtung, jede persönliche Einschätzung. Der Fehler, den man machen kann: nachfragen. Wer „Und was war dann an der Zwölf?“ sagt, hat vier weitere Löcher ausgelöst, die man sonst übersprungen hätte. Ein erfahrener Veteran verrät den einzig wirksamen Gegenzauber: aufstehen, „kurz auf die Toilette“ sagen – und dann über den Parkplatz verschwinden, bevor die Sieben erreicht ist.

Ergänzungen aus der Golfcommunity

Die Kommentarspalten in den sozialen Medien haben zu diesem Thema ganze Arbeit geleistet. Sie füllten sich mit Beichte und Wiedererkennung – und mit immer neuen Spezies, die in den ursprünglichen Listen noch gefehlt hatten. Da wäre der schweigende Pedant, der kein Wort spricht, dafür aber vernichtende Blicke verteilt, wenn jemand beim Putten im Licht steht. Oder der „Tages-Du“-anbietende Pseudowichtige, der einen sofort nach der Vorstellung duzt, als sei man sein bester Freund, nach der Runde zum spröden „Sie“ zurückkehrt.

Zum Schluss die unbequeme Wahrheit

Jeder von uns war schon mal zumindest andeutungsweise einer dieser Typen. Ball geangelt. Ungefragten Tipp gegeben. Die eigene Runde bis ins letzte Detail nacherzählt. Drei Minuten am Abschlag gestanden, weil das Ansprech-Ritual noch nicht abgeschlossen war. Genau das macht Golf so großartig: Es ist mehr als ein Spiel. Es ist ein Spiegel – und manchmal ein Zerrspiegel.

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