Vor gerade einmal drei Wochen wartete die 25-jährige Südkoreanerin Haeran Ryu noch auf ihren ersten Major-Titel. Nun hält sie bereits zwei der begehrtesten Trophäen im Damengolf in den Händen. Nach ihrem Erfolg bei der KPMG Women’s PGA Championship gewann Ryu am Sonntag auch die Amundi Evian Championship im Evian Resort Golf Club – und das nach einem hochklassigen Stechen gegen die Kanadierin Brooke Henderson.
Den entscheidenden Schlag setzte Ryu am ersten Playoff-Loch. Nachdem sie Fairway und Grün souverän getroffen hatte, verwandelte sie ihren rund 1,20 Meter langen Birdie-Putt und sicherte sich den Titel.
„Vor drei Wochen hatte ich noch kein Major gewonnen, jetzt sind es schon zwei hintereinander. Das fühlt sich wie ein Traum an“, sagte die neue Evian-Siegerin Ryu nach ihrem Triumph.
Erinnerungen an den Ort ihres ersten großen Erfolgs
Der Erfolg hatte für Ryu eine ganz besondere Bedeutung. Bereits 2015 gewann sie als 14-Jährige auf derselben Anlage mit dem Team Korea den Amundi Evian Juniors Cup.
„Ich habe so schöne Erinnerungen an diesen Platz. Schon damals habe ich davon geträumt, eines Tages hier die Evian Championship zu gewinnen. Dass es jetzt tatsächlich passiert ist, macht diesen Sieg noch emotionaler.“
Rekordrunde als Fundament
Den Grundstein für ihren Erfolg hatte Ryu in Evian bereits am Samstag gelegt. Mit einer sensationellen 60er-Runde (-11) stellte sie die niedrigste Runde auf, die jemals bei einem Damen-Major gespielt wurde, und ging mit drei Schlägen Vorsprung in den Finaltag.
Am Sonntag lief nicht mehr alles so mühelos. Die Koreanerin spielte eine Even-Par-Runde und musste ihren komfortablen Vorsprung nach und nach abgeben. Erst am 18. Loch gelang ihr das einzige Birdie des Tages – ein Putt, der sie bei insgesamt 19 unter Par ins Stechen brachte.
Ryu: „Den ganzen Tag sind meine Putts knapp vorbeigegangen. Ausgerechnet am letzten Loch und dann noch einmal im Playoff ist der Ball gefallen. Ich glaube, ich werde Loch 18 in Evian nie vergessen.“
Henderson mit spektakulärer Aufholjagd

Fast noch beeindruckender als Ryus Nervenstärke war die Aufholjagd von Brooke Henderson.
Die Kanadierin spielte an beiden Finaltagen jeweils eine 64 (-7) und katapultierte sich damit noch ins Stechen. Besonders spektakulär verlief ihre Schlussrunde: Drei Eagles, darunter ein Hole-in-One am Par 3 der achten Bahn, sorgten für Begeisterung bei den Zuschauern. Mit einem Eagle auf dem Schlussloch erzwang Henderson schließlich das Playoff.
Dort geriet sie allerdings bereits mit dem Abschlag in Schwierigkeiten. Nach einem Ball links ins Rough musste sie vorlegen und konnte nur noch Par spielen – zu wenig gegen Ryus Birdie.
„Natürlich hätte ich das Stechen gerne gewonnen“, sagte Henderson. „Aber mein Spiel ist momentan in hervorragender Verfassung. Nach einem zweiten Platz bei einem Major und einem dritten Rang vor wenigen Wochen gibt mir diese Woche viel Selbstvertrauen.“
Iwai bestätigt ihre starke Form
Den dritten Platz sicherte sich die Japanerin Aki Iwai. Mit einer 69er-Schlussrunde beendete sie das Turnier als alleinige Dritte und unterstrich einmal mehr ihre Entwicklung zu einer festen Größe im internationalen Damengolf.
„Diese Woche hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Vor so vielen Zuschauern zu spielen, war eine großartige Erfahrung.“
Für Haeran Ryu geht die außergewöhnliche Saison damit in die nächste Runde. Zwei Major-Titel innerhalb von zwei Wochen schaffen selbst die größten Namen des Golfsports nur äußerst selten. Mit ihrer Mischung aus Präzision, Ruhe und beeindruckender Nervenstärke hat sich die Südkoreanerin endgültig in der Weltspitze etabliert – und zählt spätestens jetzt auch zu den Topfavoritinnen für die bevorstehende AIG Women’s Open.

