Nach dem Retourweg von Tallinn – zunächst zurück nach Riga – stellte sich die entscheidende Frage: Können wir in Vilnius im V Golf Club abschlagen oder ist das Wetter einfach zu schlecht? Die Vorhersage: 3 Grad und Schneefall. Nicht unbedingt das, was man sich für die finale Runde des Northern Swing vorstellt.
Die Alternative lag auf der Hand. Statt im Norden Litauens bei der Rückfahrt zu halten, entschieden wir uns, Litauen hinter uns zu lassen und einen Zwischenstopp in Polen einzulegen. Genauer gesagt in Warschau. Die Prognosen waren zwar nicht prickelnd, aber zumindest ohne Schneefall. Und nach den Erfahrungen der letzten Tage klang das bereits nach einer stabilen Verbesserung.

Also erneut Planänderung. Warschau nun an erster Stelle. Genauer: First Warsaw Golf Club.

Die Herausforderung diesmal: einen geeigneten Campingplatz zu finden. Leider Fehlanzeige. Also blieb nur eine pragmatische Lösung. Wir fragten direkt beim Golfclub an, ob wir auf dem Parkplatz vor Ort übernachten dürfen. Die Antwort kam unkompliziert: Ja, kein Problem.
Und genau in diesem Moment wurde uns wieder bewusst, wie angenehm es sein kann, unabhängig von klassischen Campingplätzen zu reisen. Direkt am Golfplatz zu stehen, kurze Wege, kein Stress am Morgen – und vor allem dieses Gefühl von Freiheit, das den Northern Swing von Beginn an geprägt hat.
Als wir am Abend gegen 19:30 Uhr kurz vor Sonnenuntergang ankamen, zeigte sich der Platz allerdings von einer anderen Seite. Ein Sturm wütete über dem Gelände. Böen peitschten über die Fairways, lose Gegenstände bewegten sich unkontrolliert und selbst vom HYMER aus konnte man die Kraft des Windes deutlich spüren.
Immerhin: Für den nächsten Tag wurde eine Beruhigung bis etwa 14:00 Uhr angekündigt. Eine Verschnaufpause – zumindest theoretisch.
Die Nacht direkt vor dem Clubhaus war jedenfalls sehr konfortabel. Kein Transfer, kein Zeitdruck, einfach aufwachen und spielen.
Am Spieltag, Dienstag, den 7. April, war die Tee Time um 9:30 gebucht. Und man muss ehrlich sagen: Wir haben den Platz mit unserer Anwesenheit und Spielbereitschaft fast ein wenig überfordert. Das Team im Klub aber super nett und zuvorkommend.
Zum einen hatte der Orkan vom Vortag sichtbare Spuren hinterlassen. Am Clubhaus waren Schäden erkennbar, lose Elemente provisorisch gesichert. Zum anderen zeigte der Platz deutliche Spuren eines langen Winters. Es wirkte, als hätte man erst am Vortag wieder mit dem Spielbetrieb begonnen.
Die Qualität war daher ausbaufähig. Fairways noch fahrig, Bunker nur teilweise wirklich spielbar und die Grüns schwer einzuschätzen. Mit etwas Fantasie ließ sich jedoch erkennen, welches Potenzial hier steckt. Bahnen wie „Bunker Island“, „Devil’s Elbow“ oder die „Pillars of Hercules“ versprechen später im Jahr eine beeindruckende Kulisse.

Das Spiel selbst wurde zusätzlich vom stark böigen Wind geprägt. Richtungswechsel, plötzlich abbremsende Bälle und die permanente Unsicherheit bei längeren Schlägen machten die Runde anspruchsvoll. Nicht einmal die Arbeitsgeräte von Wilson konnten den Bedingungen etwas entgegensetzen.

Auch das Clubhaus – eher ein provisorisches Zelt als ein klassisches Gebäude – hinterließ einen überschaubaren Eindruck. Der fehlende Kaffee nach der Runde passte ins Gesamtbild eines Tages, der mehr von Durchhaltevermögen als von Genuss geprägt war.

Es war daher kein würdiger Abschluss des golferischen Northern Swing. Vielleicht waren wir zu optimistisch unterwegs, Ende März Anfang April ausgezeichnete Bedigungen vorzufinden. Vielleicht haben wir auch die eine oder andere Wetterwarnung bewusst ignoriert.
Aber aufgeben tun wir bekanntlich einen Brief. Und wenn wir Golf spielen, dann nutzen wir auch den gesamten Platz.
So bleibt diese letzte Runde ein ehrlicher Abschluss einer Reise, die nie auf Perfektion ausgelegt war. Sondern auf Erfahrungen. Auf Überraschungen. Auf das, was unterwegs passiert.
Das endgültige Resümee bleiben wir euch noch schuldig.
Noch.
Kommt aber. Versprochen.
Euer SimplyGOLF-Team | Bernhard, Hanna, Miss Maisel & Lenny

