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Sepp Straka: „Man wird mich keinen Schläger werfen sehen“

2016 startete Sepp Straka bei den Lyoness Open seine Profikarriere. Inzwischen ist der 24 Jahre alte Austro-Amerikaner auf der amerikanischen web.com-Tour unterwegs – und feiert dort tolle Erfolge. Ein Gespräch über Lehrjahre, Heimatgefühle und einsame Highways. Aus Ausgabe #1 Simply Golf

Sport - November 2017 von Klaus Nadizar
Sepp Straka: „Man wird mich keinen Schläger werfen sehen“

Sepp Straka, die Lyoness Open waren im vergangenen Jahr Fluch und Segen für dich zugleich. Hast du mit dem Turnier noch eine Rechnung offen? 

Das kann man so sagen, ja. Das Turnier in Atzenbrugg letztes Jahr war mein erstes Profiturnier und ich komme eigentlich unheimlich gern hierher. Damals habe ich auch ganz gut gespielt, war dann aber die letzten Löcher am Freitag ziemlich nervös, habe unnötige Fehler gemacht und unglücklich den Cut verpasst. Das war also ein extrem schlechtes Finish – aber generell taugt mir der Platz eigentlich. Ich freue mich sehr darauf.

Wo liegen deiner Ansicht nach die größten Herausforderungen des Turniers?

Der Driver sollte auf jeden Fall passen. Man muss vom Abschlag ziemlich lang sein und sich für gute Scores in die richtigen Positionen bringen. Im letzten Jahr war der Platz dazu ziemlich hart und es war sehr windig. Damit muss man immer rechnen.

Inwiefern unterscheidet sich Atzenbrugg von den Plätzen auf der web.com-Tour und den College-Kursen, die du gespielt hast?

Ich muss sagen, am College in Georgia sind wir schon ziemlich verwöhnt worden. Die Plätze, die wir gespielt haben, waren unglaublich gut. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber generell herrscht da ein sehr hohes Niveau. Auf der web.com-Tour gilt das umso mehr, da sind sämtliche Plätze in einem hervorragenden Zustand. Und Atzenbrugg ist ohnehin ein wahnsinnig guter Golfplatz.

Wird dich dort auch heuer wieder der österreichische Pro Clemens Dvorak als Caddie begleiten?

Ja, das ist auch sehr wichtig für mich. Clemens ist ein guter Freund, wir kennen uns schon sehr lange. Deswegen kennt er auch mein Spiel extrem gut. Er kennt aber auch das Spiel Golf als solches ganz genau. Er kennt jedes Detail. Er weiß einfach, was ich brauche, wann ich es brauche und wie wir kommunizieren müssen. Das hilft ungemein.

Zumal du in Österreich als Austro-Amerikaner ein weiteres Heimspiel hast – wie eng sind deine Verbindungen zum Land?

Für mich persönlich ist es immer schön, wieder nach Österreich zu kommen. Ich schaffe das leider viel zu selten, nur ein-, zweimal im Jahr. Zu den European Tour-Turnieren habe ich eine spezielle Verbindung. Als Kind habe ich dort jedes Jahr zugeschaut, auch als das Turnier noch in Fontana stattgefunden hat. Auf Challenge-Tour-Turnieren bin ich außerdem Caddie gegangen. Insofern ist jeder Besuch in Österreich was Besonderes.

Also ein gefühltes Homecoming mit entsprechender Stimmung für dich?

Ja, man merkt das hundertprozentig. Wenn man am Abschlag steht, es warten Dutzende Zuschauer und bei den ersten beiden Spielern bleibt es relativ ruhig, dann ist es umso cooler, wenn für mich als Österreicher der Applaus aufbrandet. Das fühlt sich definitiv wie ein Homecoming an.

Du spielst deine erste Saison auf der web.com-Tour, dem Unterbau der US PGA-Tour. Wie liefen die ersten Monate im Profilager für dich? 

Die ersten Turniere waren nicht so gut. Ich habe meinen Schwung ein bisschen verloren, es hat Zeit gebraucht, bis ich ihn wiedergefunden hatte. Die zwei Turniere vor Mexiko habe ich dann schon ganz gut gespielt. Und die El Bosque Mexico Championship Ende April war dann ein erster Höhepunkt. Ich habe ich mich dort von Anfang an sehr gut gefühlt und obwohl die Schlusstage nicht perfekt waren, war das insgesamt eine sehr gute Sache. Auch weil an den Schlusstagen der Wind ein bisschen stärker und es sehr herausfordernd war. Ein gutes Gefühl, ein Wochenende endlich einmal gut abzuschließen.

Platz sieben dort und ein Preisgeld von knapp 22.000 US-Dollar waren der verdiente Lohn – und auch eine Bestätigung, dass sich die Anstrengung der vergangenen Jahre auszahlt?

Es ist schon gut zu wissen, dass die harte Arbeit sich irgendwann auszahlt. Aber es gibt immer noch mehr zu tun. Es war schön, ein erstes Mal in den Top Ten zu sein.  Das Ziel ist aber natürlich, regelmäßig in den Top Ten zu landen und Turniere zu gewinnen.

Dafür würde Platz 25 im Ranking der Regular Season und Platz 25 in den Play-offs reichen – das bedeutet aber auch jede Menge Druck. Inwiefern hat dich die stressige Mühle der Qualifying School gelehrt, mit dem Druck umzugehen?

Die Q-School ist auf alle Fälle sehr hart. Da gibt es so viel Druck, weil man weiß: Wenn das nichts wird, muss man wieder ein Jahr warten. Aber man lernt auch sehr viel. Ich glaube, ich habe die Turniere in Kanada im letzten Sommer und auch den unglücklichen Missed Cut in Atzenbrugg für mich verwenden können. Ich konnte herausfinden, was ich brauche und wie ich mich auf Drucksituationen wie die Q-School vorbereiten kann. Und das hat ja ganz gut funktioniert.

Was hat sich an deiner Trainingsroutine im Profilager im Vergleich zum College geändert? Hast du ohne den Unterbau der Collegeeinrichtungen etwas grundlegend ändern müssen?

Ich habe schon am College genau gelernt, wie ich trainieren will. Was mir gefällt, was ich machen will – unser Coach hat bei der Entscheidung sehr viel uns Spielern überlassen. Wir sollten für uns herausfinden, wie wir Golf spielen. Ich spiele viel, ich bin keiner, der zwei Stunden auf der Range denselben Schlag trainiert. Dazu kommen intensive Sessions für das kurze Spiel. Generell hat man am College weniger Zeit fürs Training, weil das Studium dazukommt. Das macht es jetzt eigentlich leichter. Ich kann trainieren, was ich will, um mich punktgenau auf ein Turnier vorbereiten zu können.

Hören wir da heraus, dass Du ganz froh bist, die Lehrbücher hinter dir und die Golfschläger vor dir zu wissen?

Ja, auf jeden Fall (lacht). Es hilft extrem viel, schon am Morgen gut und viel trainieren zu können, statt vormittags zu studieren und dann am Nachmittag noch Training folgen lassen zu müssen. Ich bin ziemlich froh, dass die Bücher hinter mir liegen.

Den ein oder anderen Kontakt zu College und Teamkollegen gibt es aber sicher noch?

Natürlich, da gibt es nach wie vor enge Verbindungen. Ich sehe viele Spieler jetzt auf der web.com-Tour, wenn man Turniere spielt. Ich habe extrem viele Freundschaften geschlossen. Vor allem war die Zeit extrem gut für mein Golfspiel, man lernt über sich selbst und sein Spiel. Man spielt schon am College sehr schwere Plätze, präpariert wie US PGA-Tour-Kurse. Das schult vor allem die Strategie, mit der man Golf spielen kann.

Österreich hat mit Bernd Wiesberger einen Top-Star auf der European Tour. In Spielern wie Mathias Schwab und dir folgen hoffnunsgvolle Talente mit College-Ausbildung. Wie schafft man es, noch mehr junge Spieler auf die Touren zu bringen?

Das College in den USA hilft da auf jeden Fall, aber letztlich ist es eine persönliche Frage, ob man den Weg über Europa und die Development Tours oder den über Amerika gehen will. Je mehr Talent auf den Touren unterwegs ist, umso mehr spricht das auch die Jugend an. Innerhalb der Golfszene ist das momentan großartig, weil viele verschiedene Spieler Turniere gewinnen und es insgesamt sehr spannend ist. Allerdings fehlt schon eine Ikone wie Tiger Woods, der auch Nichtgolfer für den Sport begeistern kann. Ich persönlich habe immer dem Maudi (Markus Brier, Anm. d. Red.) zugeschaut, der war ein großes Idol für mich.

Sepp Straka: „Man wird mich keinen Schläger werfen sehen“
Sepp Straka mit seinem Zwillingsbruder Sam (l.) – beide haben im College für die Georgia Tech Uni gespielt. Golf natürlich!

Kein Sport ohne Idole – wenn es bei dir nicht Golf geworden wäre, gibt es andere Sportarten, für die du dich begeistern kannst?

Ich habe als Kind alles gespielt. Fußball, Basketball, Baseball. Am nächsten dran war ich wahrscheinlich am Baseball. Das habe ich schon als junger Bursche in Wien gespielt, in der Summer League in der Freudenau. Das habe ich total geliebt. Aber irgendwann habe ich mich entscheiden müssen, was ich auch vom Trainingsaufwand her wirklich machen will und da war Golf sehr schnell die Nummer eins.

Wann war dir denn klar, dass es für dich in Richtung der Profitouren gehen soll?

Ein Traum war das immer schon. Richtig konkret ist es geworden, als ich 16 war und mich entschieden habe, nach Georgia zu gehen. Ich habe gesehen, wie viele Leute es aus der Universität heraus auf die PGA-Tour geschafft haben und dass sich mir diese Möglichkeit auch bietet.

Wie würdest du die Fähigkeiten beschreiben, die dich dorthin gebracht haben, wo du bist? Was macht Sepp Straka stark?

Auf jeden Fall bin ich sehr beherrscht, mein Auftreten ist eher besonnen. Ich rege mich nicht extrem auf, man wird mich keinen Schläger werfen sehen. Und golferisch ist sicherlich der Abschlag eine meiner Stärken. Ich bin nicht extrem lang, aber definitiv verlässlich.

Und wo betrachtest du dein Spiel als ausbaufähig?

Ich könnte durchaus mehr Selbstbewusstsein aufbauen. Ich muss noch mehr realisieren, dass ich gewinnen kann. Das geht glaube ich vielen Golfern so, aber daran kann ich noch speziell arbeiten. Dazu kommt mein Putting, das ist eher streaky: Wenn es läuft, läuft es richtig. Aber das verhält sich andersherum leider oft genauso. Da braucht es noch mehr Konstanz.

Umso wichtiger sind Platzierungen wie Rang sieben in Mexiko Ende April…

…ganz genau. Das ist natürlich gut für das Selbstvertrauen. Mit jeder Top Ten Platzierung sollten die Schwächen weniger zum Problem werden.

Denkst du darüber nach, wie sich deine Golfkarriere entwickeln soll? Gibt es für dich einen Plan B?

Momentan gibt es nur Plan A. Ich habe zwar meinen Master angefangen, mit dem fünften Jahr am College. Das wäre also Plan B, wenn Golf nicht funktioniert: Zurück ans College und dann schauen, was ich machen kann. Aber momentan ist alles auf Golf fokussiert. Mit der web.com-Tour habe ich ein erstes Ziel erreicht und setze mir natürlich weitere.

Auf den kleineren Touren gilt allerdings: Keine Traumhotels, es geht auch schonmal mit dem Auto von Turnier zu Turnier – ganz „normaler Profisportalltag“. Empfindest du das auch so?

Es ist nicht mehr ganz so, wie es vor der Q-School war. Aber es gibt nach wie vor keine Luxushotels, dafür lange Autofahrten. Und man muss schauen, dass man so wenig Geld ausgibt wie möglich. Ein ganzes Jahr in Hotels kann ziemlich teuer werden. Ich führe auf der web.com-Tour kein Luxusleben – aber es ist besser als während der Monday Qualifiers in Kanada.

Ein Leben unterwegs…

Ja, von den neun Turnieren, die wir bislang in der Saison gespielt haben, waren sieben außer Landes. Da heißt es dann viel fliegen. Zu zwei Turnieren hier in den Staaten bin ich mit dem Auto gefahren.

Wir stellen uns gerade lange, einsame Highways vor. Links und rechts nichts als Weite und in der Mitte ein Autoradio. Trifft es das?

Das ist ziemlich genau so (lacht). Ich bin nach Louisiana gefahren, neun Stunden. Zwischen Atlanta und Louisiana ist ein Highway und man sieht – eigentlich nichts. Und im Radio läuft eigentlich alles von Rock über Country bis zu neueren Hits. Ich bin da ziemlich flexibel. Richtung Louisiana habe ich dann eine etwas südlichere Strecke genommen, mit einer Stunde Umweg. So konnte ich wenigstens über New Orleans fahren und mir das anschauen.

New Orleans birgt allerdings Gefahren, nicht nur für Profigolfer. Es kann einem schon passieren, dass man abends aus der Bourbon Street nicht rechtzeitig wegkommt…

…(lacht) ich war zum Glück zum Mittag dort.

Sepp, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die anstehenden Aufgaben.

Sepp Straka: Zur Person

Geboren am 1. Mai 1993 in Wien.
Pro seit 2016
Als Amateur spielte Straka für die University of Georgia
Web.com-Statistik:
25 Turniere / 17 Cuts
Platz 71 im web.com-Ranking
Preisgeld: 70.555 $
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