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Nur den Longhittern gehört die Zukunft?

Oder doch nicht? Wenn der frühere Maßstab Tiger Woods dem aktuellen Maßstab das grüne Jacket überstreift und ein Bryson alle Kolumnen füllt, ist eine In-Depth-Analyse sinnvoll! BLOG VON PRO MICHAEL MOSER

Sport - November 2020 von Michael Moser
Nur den Longhittern gehört die Zukunft?
Dustin Johnson und sein prominenter Graderobier Tiger Woods | Foto: Getty Images

Ein Anblick über den die meisten Fachleute im Vorfeld des Turniers schon längst Bescheid gewusst haben wollen. Denn eines war ja anscheinend so klar wie das Wasserhindernis auf Loch Zwölf – gewinnen kann hier nur jemand mit „Schmalz“. Einer, der die magische „Schallmauer“ von 300+ Yards locker überfliegen kann!

Diese Expertenmeinung bringt uns schließlich zu der Schlussfolgerung, dass am Ende der Woche niemand außerhalb der Top 10 in der Drive Statistik auf den ersten Seiten des Leaderboards stehen kann.

Ich habe mir das mal angeschaut…

Nur den Longhittern gehört die Zukunft?

Anhand dieser Aufstellung können sich zunächst beide Lager bestätigt fühlen. Ja, es hat einer dieser „Bomber“ das Turnier gewonnen und nein, der überwiegende Anteil der Top 25 gehört nicht zu den längsten Spielern auf der Tour.

Im Durchschnitt wären diese Fünfundzwanzig in der Drive Statistik mit rund 301 Yards im Jahresschnitt an der 109. Stelle. Im Vergleich zum diesjährigen Sieger sind das allerdings 21 Yards zu wenig.

Alle Golfinteressierten haben jedoch auch bemerkt, dass sich auch eine absolute „Kurzwurscht“ nur knapp außerhalb dieser Top-gereihten positioniert hat. Mit einer durchschnittlichen Drive Länge von 273 Yards fehlen diesem 2-fachen Green-Jacket-Besitzer aus Deutschland sage und schreibe 48 Yards auf den Champion.

Das sind bei rund 10 geschlagenen Drives pro Runde ca. 500 Yards und entspricht ungefähr der Längenzunahme aller Major-Plätze über die letzten zwei Jahrzehnte. (siehe Diagramm)

Nur den Longhittern gehört die Zukunft?

Ist dies nun eine Bestätigung der Experten? Nicht ganz. Für den Lackmustest müssen wir ergänzend eine Frage beantworten: Wenn die durchschnittliche Position derjenigen, die am oberen Ende des Leaderboards stehen, der 109. Platz in der Drive Statistik ist, wie sieht es dann am unteren Ende der Tafel aus?

Ich habe mir alle Spieler unterhalb der Cut-Linie angesehen. Im Sinne der Vergleichbarkeit habe ich dafür alle Amateure, Senioren und jene, die aufgegeben haben aus der Wertung genommen.

Der schier uneinholbar anmutende heilige Gral des Champions, der eine Faktor, welcher über Sieg oder Niederlage entscheidet, beträgt gerade einmal FÜNF Yards!?

Die Gruppe der Spieler, die den Cut beim diesjährigen Masters Tournament nicht geschafft haben, ist mit einer durchschnittlichen Drive-Ranglisten-Position von 151 im Gegensatz zu 109 überraschend deutlich mit 42 Plätzen hinter den Top 25.

Das heißt laut aktueller Statistik schlägt der 109. Plazierte seine Drives rund 301 Yards, der 151. rund 296 Yards. Somit beträgt der Unterschied, dieser schier uneinholbar anmutende heilige Gral des Champions, der eine Faktor, welcher über Sieg oder Niederlage entscheidet, gerade einmal FÜNF Yards!?

Dieser, 4-Babyelefanten-großer Abstand, scheint jedoch nicht den entscheidenden Unterschied zu machen!

Es gibt jedoch eine Statistik die am besten beschreibt, wie Qualität eines Spielers vom Tee ist. Die „Strokes gained“ Methode. Länge ist hierbei sicherlich ein maßgeblicher Faktor, jedoch nicht der Einzige! Dazu mehr im nächsten Blog!!!

Zum Abschluss zeige ich Ihnen noch eine kleine Statistik die auf 2 Positionen hinweist, die von vielen engagierten Beobachtern gerne mal vergessen wird!

Nur den Longhittern gehört die Zukunft?

Sie gehört zu einem gewissen Herrn B. Langer!

Und Bernd Wiesberger?

Zur Freude aller liegt Bernd Wiesberger bei dieser wichtigen Maßeinheit laut Ranking 2020 mit einer durchschnittlichen Drivelänge von 302,4 Yards an 43. Stelle und gehört damit definitiv zu erweiterten Kreis der „Big-Hitter“. Er bringt mit 56% jedoch nur jeden zweiten Drive auf die Spielbahn und kann somit nur wenig Profit aus seiner Power erzielen. Seine Ranglistenposition in dieser Kategorie ist die unrühmliche 156.

„Ja, Ja! Da sollte man schon 70-80 Prozent treffen, wenn man was reißen will!“ wird der eine oder andere jetzt denken! Nix da! Mit diesem Wert lag Herr Wiesberger genau zwischen den beiden Fedex-Cup acht-platzierten Patrick Reed bzw. Rory McIlroy und keine drei Prozentpunkte hinter dem 10 Millionen Dollar Mann, Dustin Johnson.


ZUM AUTOR: Michael Moser | geb 1980 in Graz

10 Jahr Nationalteam
Mehrfacher österr. Meister und Staatsmeister
2005 Playing Professional | 2005-2010 Pro Team Austria
2014 Fully Qualified PGA Professional
2017 staatl. Trainer für Fitness u Athletik
stationiert am GC Klockerhof (Hart bei Graz)

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