Simplygolf Logo

Die heile Golfwelt in Zeiten von Corona

Es tut gut und weh gleichzeitig, wenn in den Sozialen Medien fröhlich vor sich hin mediziniert oder verordnet wird und eh jeder alles besser weiß.

Panorama - April 2020 von Klaus Nadizar
Die heile Golfwelt in Zeiten von Corona

Warum es gut tut? Ich wünsch mir mehr von diesen Sorgen. Ehrlich? Ist es wichtig, ob wir zu zweit, zu dritt zu viert oder zu zehnt auf die Runde dürfen? Ob der Bunker ein Bunker bleibt, der Rechen nicht angegriffen werden darf? Ob der Locheinsatz der Fahne zu treffen ist, um den Putt als gelocht zu werten? Sind wir tatsächlich derart philiströs, nur weil man uns für 3 Wochen das Spielzeug weggenommen hat?

Was weh tut, hat mit einem Fehler meinerseits zu tun: Ich habe auf Facebook die kaum noch zu ertragende, spannungsgeladene Stimmung zu DEM THEMA „Kraft welcher Verordnung müssen wir uns wie am Golfplatz verhalten, und warum gibt es die nicht schon längst“ höflich zur Geduld gemahnt. Habe jene Institution (ÖGV) als verantwortlich dafür und als TaskForce bezeichnet, weil die sich aktuell wohl am meisten den Kopf zu DEM THEMA darüber zerbrechen, um darauf Schelte zu bekommen. Man braucht keine TaskForce, weil der Virologe und Kraft Daumen-Ikons auch zum Corona-Experten hochgeliked wurde, nun auch zum Verordnungsexperten mutiert ist.

In ähnlicher Manier (vermutlich auch von denselben Personen, besagte 360-Grad-Experten) kamen schlaue Ideen und die eigentliche Botschaft: Alles OK, macht es einfach wie ich es euch sage. Ich spiele schon 15 Jahre Golf und so schwer kann das doch nicht sein. Ist es auch vermutlich nicht, muss aber trotzdem jenen geordneten Weg gehen, der dafür eben vorgegeben ist. Und dafür muss man nun mal die Köpfe zusammenstecken (natürlich bildhaft gesprochen, also per Zoom).

Wenn wir das nüchtern betrachten reicht es in Wahrheit völlig aus, wenn wir am 30 April wissen, wie wir uns am 1. Mai am Golfplatz zu verhalten haben. Aber vielleicht will der eine oder andere vorher dieses Verhalten schon mal üben…

Insofern darf man sich auch nicht weiter wundern, wenn Golfer scheel angeschaut werden. Unser Glück: Nicht-Golfer verirren sich nicht oder zu selten auf unsere Facebook-Threads, wenn so wichtige Themen wie „Wann wird endlich der Golfplatz aufgesperrt“ oder „Wird der Menschenverstand reichen, um eine Runde Golf zu spielen oder brauche ich eine Verordnung“ teilweise auf recht niedrigem Niveau diskutiert wird.

Es scheint jedenfalls, als würden die Sozialen Medien unsere angeborene Fähigkeit alles falsch verstehen zu wollen, noch um die Ebene „Es gibt nur schwarz oder weiß“ erweitern.

Leseprobe bestellen