Freitag, Apr. 24, 2026
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Urban Golf League: Abschlag zwischen Asphalt und Aufbruch

Golf ist ein Spiel der Tradition – und genau darin liegt für David Jamnig auch die Herausforderung. Zu langatmig, zu exklusiv, für viele im Alltag schwer unterzubringen. Mit der Urban Golf League entwickelt er gemeinsam mit seinem Bruder Samuel in Wien ein Gegenmodell: ein kompaktes, teamorientiertes Format, inspiriert von internationalen Vorbildern – und zugleich bewusst für die Großstadt gedacht. Die Saison 2026 mit zwölf Teams ist bereits ausgebucht.

Es begann mit einer einfachen Überlegung: Was wäre, wenn Golf sich dem Leben anpasst – und nicht umgekehrt? Für David Jamnig, gebürtiger Kärntner, im Brotberuf IT-Consultant mit Nebenbei-Studium, war genau das der Ausgangspunkt. Gemeinsam mit seinem Bruder Samuel entwickelt er die Urban Golf League nebenberuflich – aus Leidenschaft, aber auch mit einem klar unternehmerischen Zugang. Dass das Konzept nicht aus rein theoretischen Überlegungen entstand, hat auch mit seinem sportlichen Hintergrund zu tun. Wettbewerb, Teamdenken und Ligaloagik bringt Jamnig aus einem ganz anderen Sport mit: Er war früher Eishockeyspieler beim KAC.

Seit vier Jahren lebt er jetzt aber in Wien – und genau hier entstand die Idee, diese sportliche DNA auf Golf zu übertragen. „Wir wollten den Teamgedanken stärken und Golf für ein breiteres Publikum attraktiv machen“, sagt Jamnig.

Urban Golf League: Inspiration aus LIV und TGL

Die Idee entstand nicht im luftleeren Raum. Inspiration lieferten zwei internationale Vorbilder: die LIV Golf Tour mit ihrem Teamgedanken und die TGL von Tiger Woods, die Golf als kompaktes, modernes Entertainment-Format denkt. „Es ist ein Mix aus beidem – nur auf österreichisch.“ Aus diesen Einflüssen entwickelte der 24-Jährige ein eigenes Modell: Teamwettbewerb, verdichtete Spieltage und urbane Inszenierung – angepasst an Wien.

Zwölf Teams treten in der Saison 2026 gegeneinander an. Mehr sind es bewusst nicht. „Wir wollten es kompakt halten, fast wie eine geschlossene Liga“, sagt Jamnig. So entstehe automatisch mehr Spannung, mehr Identifikation und auch mehr sportliche Relevanz. Der Auftakt erfolgt am 1. Mai, gespielt wird an insgesamt sechs Spieltagen, das Finale steigt am 28. Juni am Marco Polo Platz in Wien, wo er selbst Mitglied ist.

Im Zentrum steht der Teamgedanke. Jedes Team besteht aus drei fixen Spielern, ergänzt durch bis zu drei Ersatzspieler. Gespielt wird in einem verdichteten Wettbewerbsformat mit unterschiedlichen Spielmodi und einer Punktewertung über die Sommer-Saison. Wer an den Spieltagen konstant punktet, bringt sich in Position für das Finalturnier, das über den Gesamtsieg entscheidet.

„Die Teams sollen sich über einen längeren Zeitraum beweisen“, sagt Jamnig. „Es soll eine echte Liga sein – mit Tabelle und am Ende einem Sieger.“ Genau darin unterscheidet sich das Konzept von einem gewöhnlichen Golfturnier. Es geht nicht nur um einen guten Tag, sondern um Konstanz, Teamdynamik und eine Entwicklung über viele Wochen.

Niedrige Hürde, hohe Nachfrage

Wirtschaftlich setzt die Liga auf Zugänglichkeit. Das Team-Nenngeld beträgt 299 Euro, inkludiert sind sämtliche Greenfees für alle sechs Spieltage sowie die Teilnahme am Finalevent. Dazu kommen hochwertige Sachpreise für die Teams – ein zusätzlicher Wettbewerbsanreiz. „Wir wollten bewusst eine niedrige Einstiegshürde“, sagt Jamnig. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt die Nachfrage. Alle zwölf Teamplätze für 2026 waren früh vergeben. Zwar gibt es eine Warteliste – allerdings nur für Einzelspieler, die im Fall eines Ausfalls nachrücken könnten.

Der 9-Loch Marco Polo Platz in Wien

Hinter dem Projekt steckt deutlich mehr Aufwand, als das lockere Format vermuten lässt. Gerade in der Anfangsphase sei die Sponsorensuche schwierig gewesen, erzählt der Organisator. Inzwischen habe sich das verändert: In den vergangenen Wochen seien mehrere Partner aktiv auf die Liga zugekommen. Auch das ist ein Indiz dafür, dass das Konzept einen Nerv trifft.

Dabei wirkt Jamnig nicht wie jemand, der sich selbst inszenieren will. Er beschreibt sich eher als jemanden, der gerne organisiert und im Hintergrund arbeitet. „Ich bin mehr der Typ, der Dinge unternehmerisch angeht“, sagt er. Aus einer Leidenschaft etwas zu entwickeln, interessiere ihn mehr als Selbstdarstellung. Dass er selbst mit Handicap 42 eher mittelmäßig spiele, sagt er mit Selbstironie. Sein Interesse gelte ohnehin stark der technischen Seite des Sports – Equipment, Material, Systeme. Ein Zugang, den er aus dem Eishockey mitgebracht habe.

Wien als Testlauf – und dann?

Und Wien könnte nur der Anfang sein. Überlegungen, das Konzept auf ganz Österreich auszurollen, gibt es bereits. Auch aus Deutschland seien erste Anfragen gekommen. Selbst eine Indoor-Version für den Winter wird mitgedacht. Trotzdem bleibt Jamnig zurückhaltend. „Jetzt liegt der Fokus auf der ersten Saison – dann schauen wir, wo die Reise hingeht.“

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