Davor, war ein Versprechen. Tag 1 ist die Realität. Und die beginnt – wie so oft – anders als geplant.
Unser „Clubhouse on Wheels“ musste sich zunächst einmal selbst beweisen. Von seiner Homebase kommend, kämpfte sich der HYMER B-MCI 680 bei Schnee und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nach Wien. Kein glamouröser Auftakt, sondern eher ein erster Härtetest. Am Freitag, den 27. März, ging es dann endlich los. Mit Verspätung. Natürlich mit Verspätung. Denn wenn man eines bei solchen Trips schnell lernt: Der Plan ist nur ein grober Vorschlag. Eine Skizze.
Schon beim Packen wurde klar, dass wir unsere ursprüngliche Vorstellung – Golf, Lifestyle, ein bisschen Leichtigkeit – wetterbedingt neu interpretieren müssen. Der Fokus lag plötzlich nicht mehr auf der Frage, welches Polo wir tragen, sondern wie viele Schichten wir überhaupt übereinander anziehen können.
Das SimplyGOLF-Polo ist natürlich dabei. Aber aktuell eher als symbolisches Statement. Unter gefühlt 20 Schichten versteckt, wird es seine volle Pracht wohl erst später auf dieser Reise entfalten.
Dazu gesellten sich Dinge, die man auf einer „Golfreise“ eher nicht erwartet: Schneeketten. Und ein BigMax-Schiebetrolley, der aktuell mehr Hoffnung als tatsächliche Funktion erfüllt.
Beim Einräumen unseres mobilen Zuhauses wurde dann schnell klar: Auch ein HYMER B-MCI 680 hat seine Grenzen. Vor allem, wenn zwei Golden Retriever mitreisen. Miss Maisel und Lenny haben – wenig überraschend – entschieden, dass sie den Großteil des verfügbaren Raums beanspruchen. Wer Hunde hat, weiß: Das ist kein Diskussionspunkt. Das ist ein Gesetz.
Also: vollgepackt, leicht überfordert und trotzdem hochmotiviert machten wir uns auf den Weg Richtung Baltikum.
Der Start? Zäher als gedacht.
Wetter: unerquicklich.
Verkehr: klassischer Wiener Stau.
Sicht: “elendig”.
Der Campingplatz selbst war – nüchtern betrachtet – völlig in Ordnung. Vor allem sauber. Und das ist in diesem Moment wichtiger als jede Form von Luxus. Ein bisschen laut, ja. Aber für eine Nacht absolut in Ordnung.
Das erste Etappenziel laut Plan: Suwałki, Polen.
Das erste Etappenziel laut Realität: Katowice, Camping Nr. 215.

Der “Nachtwächter” empfing uns freundlich, erklärte uns in kurzen, pragmatischen Sätzen das Wesentliche – und entließ uns in unsere erste Nacht im „Clubhouse on Wheels“.
Der Schlaf kam jedenfalls schlagartig. Und endete genauso abrupt. Ein Blick. Zwei hungrige Golden Retriever. Der Tag beginnt.
Sieben Stunden Schlaf mehr sollte uns nicht vergönnt sein. Ein Spaziergang mit Lenny und Maisel am kleinen See – überraschend idyllisch, trotz des nahegelegenen Autobahnkreuzes. Danach ein 7-km-Lauf. Und dann: das erste Frühstück auf dieser Reise.
Rührei. Ein Joghurt mit Granola. Und das beruhigende Gefühl, zumindest kalorisch nicht ins Defizit zu rutschen.
Die Wege sind kurz im Camper. Sehr kurz. Die Hunde entsprechend präsent.
Die nächste Etappe dafür umso länger: Vilnius. Und – zumindest theoretisch – der V Golf Club. Wetter: 1°C, leichter Nieselregen.
Also ging es am Samstag den 28. März weiter. Von Katowice Richtung Warschau. Ein kurzer Stopp, ein kleines Mittagspäuschen. Und bereits hier wurde klar: Vilnius wird sich heute nicht ausgehen. Aber das war nie die Idee dieser Reise. Nicht verbissen am Plan festhalten. Sondern reagieren. Anpassen. Weiterfahren.
Zur Sicherheit ein Anruf im V Golf Club. Die Tee Time für Sonntag, den 29. März um 11:30 stand ja im Raum. Die Antwort war so ehrlich wie vorhersehbar: Zu kalt.Die Greenkeeper geben den Platz nicht frei. What a surprise. Planänderung.
Vilnius wird verschoben. Auf die Rückfahrt. Eine Entscheidung, die beim Clubmanager auf Zustimmung stieß – mit der leisen Einschränkung, dass das Ganze natürlich vom Wetter und den Greenkeepern abhängt.
Also: neuer Plan.

Direkt an die Küste. Ziel: National Golf Resort bei Klaipėda. Die erste realistische Chance auf eine Runde Golf. Die neue Zwischenstation: Marijampolė Camping, direkt am See und vor allem: 200 km weniger Fahrstrecke an diesem Samstag, denn die Kräfte waren bereits seit Warschau spürbar am Ende. Und die „Zeitumstellung vor der Zeitumstellung“ hat ihr Übriges getan.


Jetzt stehen wir hier. Die Hunde unruhig. Die Stimmung leicht unterkühlt – im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich passiert genau das, was passieren muss: Von gefühlt 200 Stromanschlüssen am Campingplatz erwischen wir genau den einen, der nicht funktioniert.
Aber: Ein sieben Meter langes Fahrzeug lässt sich ja bekanntlich so einfach umparken wie ein VW Up in der Innenstadt von Nizza. Mit etwas Geduld.
Und plötzlich ist sie wieder da – diese Mischung aus Anstrengung und Freiheit.
Der neue Plan gibt uns zumindest eine echte Perspektive: Montag, 30. März 2026. National Golf Resort Klaipėda. Der Anruf im Club macht vorsichtig optimistisch. Nicht euphorisch – dafür sind 8°C einfach zu wenig. Aber: Sonne ist angekündigt.
Und das reicht im Moment völlig.
Denn auch wenn die Realität dieser Reise deutlich anstrengender ist als gedacht, bleibt dieses Gefühl bestehen: unterwegs zu sein. Frei zu sein. Und die Gewissheit, dass hinter der nächsten Kurve vielleicht doch das erste spielbare Fairway wartet.
Oder zumindest eines, das wir uns einbilden können.
Euer SimplyGOLF-Team | Bernhard, Hanna, Miss Maisel & Lenny

