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Journalismus-Klischees: Wie wir Golfplätze gern umschreiben

Menschen, deren Job es ist, Golfplätze zu beschreiben, verdienen wesentlich mehr Anerkennung als sie im Allgemeinen bekommen. Sicher, hört sich toll an, ein paar Golfplätze zu spielen, sich Notizen zu machen und dann die eigene Meinung prominent bekannt geben. Im besten Fall nicht vorwiegend darüber wie man selbst gespielt hat.

Panorama - September 2018 von Regina Dvorak
Journalismus-Klischees: Wie wir Golfplätze gern umschreiben
25-04-18 European Challenge Tour 2018, Turkish Airlines Challenge, Gloria GC, New Course, Belek, Antalya, Turkey. 26 – 29 Apr. New course a general view of the course during the wednesday.

Dennoch ist es eine große Herausforderung, aussagekräftig Golfplätze zu beschreiben. Man muss nur daran denken, wie oft man im eigenen Bekannten- oder Freundeskreis über Plätze plaudert, ohne je wirklich etwas inhaltsrelevantes über die besprochenen Kurse zu erfahren. Dazu kommt, dass all jene, die professionell Golfplätze beschreiben, nicht immer wörtlich meinen, was sie veröffentlichen.

Damit im Hinterkopf möchten wir Ihnen ein paar der gängigsten Golfplatz-Klischees vorstellen – und die jeweils wahren Hintergründe dazu.

„Es ist pures Golf.“

Hört sich toll an, ist mitunter aber auch eine subtile Art, darauf hinzuweisen, dass man besser die Verpflegung selbst mitnimmt, weil kein Halfway Haus, keine Snack Bar, kein adäquates Clubhaus oder ähnliches wartet.

„Jeder Schläger im Bag kommt ins Spiel.“

Auf diese Art werden die Vielfalt und Herausforderungen eines Golfplatzes gerne beschrieben. Ob das eine klare Aussage darüber ist, ob der Platz gut ist wissen wir meist selbst nicht und lassen es also auf diese Art lieber undefiniert offen.

„Es ist einer der besten Kurse seiner Art.“

Eine klassische Rückzugsposition wenn man jemandem einen Gefallen tun möchte. Was die Aussage des Öfteren beispielhaft meint: „Unter allen Kursen, die lieblos zwischen die Schnellstraße und den Heustadl gequetscht sind, gehört dieser zu den weniger schlimmen.“

„Diesen Platz muss man genau kennen um ihn ordentlich spielen zu können“

Sowohl Tourpros als auch Hobbygolfer, aber auch wir JournalistInnen, bemühen diese Aussage ganz gerne, wenn wir meinen es hat uns jahrelange aufwändige Recherchen gekostet um herauszufinden, dass wir den Ball besser nicht in den Teich schlagen wenn irgendwie geht.

Journalismus-Klischees: Wie wir Golfplätze gern umschreiben

„Ein Bilderbuch-Platz“

Ein besonders feiner Euphemismus für optisch wunderschön angelegte Plätze, die dem Autor oder der Autorin zwar generell besonders gut gefallen, aber eventuell im persönlichen Zweikampf deutlich überlegen waren. Zu viel geschaut, zu wenig konzentriert.

„Das ist ein sehr konsumentenfreundlicher Platz“
Die freundliche Umschreibung eines Pitch & Putt Kurses, der keinerlei Herausforderungen darstellt, dafür an jedem Abschlag mit Wartezeiten aufwartet und bei dem das rege Clubleben deutlich Vorrang gegenüber dem sportlichen Anspruch hat.

„Der Platz verlangt strategisches Spiel“

Auch bei dieser Beschreibung liegt es nahe, dass die persönlichen Erfahrungen des Autors mitschwingen. Durch eine bemerkenswerte Kette von Ereignissen wurden eventuell die ersten neun Loch Par gespielt und die zweiten neun dann komplett vergeigt. „Sauschwer zu spielen“ klingt darüber hinaus einfach nicht so elegant.

„Golf back to the roots”

Bei dieser Beschreibung darf man sich getrost auf eine einfache, ungepflegte Wiese gefasst machen. Keine Maniküre, keine Feinheiten, keine ordentlichen Teeboxen, Wintergrüns im Sommer und sicherlich auch kein erlesenes Clubhaus.

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