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Gestatten: Frank!

Headcovers formten ein eigenartiges Phänomen: Der Golfplatz ist
das einzige Terrain, auf dem Männer ungeniert mit Plüschtieren spielen dürfen.

Panorama - Dezember 2020 von Brigitte Vallazza
Gestatten: Frank!
Tiger Woods & sein Frank, der die Firma DAPHNE groß gemacht hat | Foto: Getty Images

Er hört auf den Namen „Frank“ und ist eine kleine Berühmtheit. „Frank“ ist ein Tiger aus Plüsch und – richtig! – begleitet den 15-fachen Major-Sieger Tiger Woods seit dessen Amateurtagen auf allen Fairways dieser Welt. Niemand sonst hat es mit dem
Superstar so lange ausgehalten. Das nennt man Treue – oder ein dickes Fell. „Frank“ ist ein ziemlich cooler Typ, was er in sechs Werbespots des Woods-Ausstatters Nike beweist, in denen er sich mit seinem Freund unentwegt einen verbalen Schlagabtausch liefert. „Hey Tiger, tu mir einen Gefallen und hau das Ding nicht in den Bunker. Sonst hab’ ich wieder Sand an bestimmten Stellen, merkwürdigen Stellen“, rügt er den großen Tiger. Was sich liebt, das neckt sich eben.

Ein Tiger als Geburtshelfer

„Frank“ ist also nicht bloß irgendein plüschiger Headcover, sondern – wie’s Herrl – schon zu Lebzeiten eine Legende. Aber er ist auch Geburtshelfer für ein erfolgreiches Unternehmen, das seine Anfänge am Esstisch im Haus einer -Familie in Phönix im US-Bundesstaat Arizona nahm und heute zu den Weltmarktführern im Bereich Schlägerhauben gehört. Es war Anfang der 1980er-Jahre, als Jane Spicer gemeinsam mit ihrer Mutter -Daphne begann, Puppen zu nähen und zu verkaufen, um ihr Taschengeld aufzubessern. Die damals 16-Jährige hatte viele Wünsche: ein Segelboot, ein Auto. Das Geschäft mit den handgenähten Figuren lief gar nicht einmal schlecht und bald kam es zu einer wichtigen „Diversifika-tion“ des Sortiments in Richtung Golf. Den Anstoß dazu gab ein Kunde, der meinte, Puppen würden sich auch gut als Schutz für
Driver machen – zweifellos eine Marktlücke zur damaligen Zeit.

Das Mutter-Tochter-Gespann griff diese Idee auf, und so entstanden ein „Birdie“, ein „Eagle“ und ein „Bogey“-Monster. Das Dreigespann bekam bald Zuwachs um einen Koala und einen Biber. Mit einer Musterkollektion pilgerte die junge Jane an den Wochenenden von Pro-Shop zu Pro-Shop und fand im Arizona Biltmore Resort ihren ersten Abnehmer – möglicherweise weniger der Nachfrage wegen, sondern auf Grund ihrer beeindruckenden Kalt-Akquise und ihres enormen Einsatzes. Ein Reißer waren die knuffigen Schlägerschützer anfangs nicht – bis eines Tages Kultida Woods einen Tiger aus dem Sortiment für ihren Sohn Eldrick Tont kaufte. Als dieser dann 1997 das Masters in Augusta gewann, hörte das Telefon bei den Spicers nicht mehr auf zu klingeln. Die Auftragsbücher füllten sich schlagartig – hier eine Order von 10.000 Tigern, da gleich 30.000 Stück. Es war der American Dream. 

Jane Spicer ist auch heute noch Chefin von „Daphne“. Namensgebend für das Unternehmen, das noch immer seinen Sitz in Phönix hat, war ihre Mutter. Die Menagerie umfasst inzwischen 175 Designs, die Marke ist in 75 Ländern vertreten. Und die Liste der PGA-Helden und LPGA-Heldinnen, die sich von pelzigen Daphne-Caddies begleiten lassen, ist auf mehr als 200 Namen gewachsen.

Nicht ohne mein Stofftier

„Frank“ hat aber nicht nur ein Unternehmen groß gemacht, er leitete auch ein Phänomen ein: Der Golfplatz ist das wohl einzige öffentliche Terrain, auf dem es Männern ausdrücklich erlaubt ist, mit Stofftieren zu spielen, und das auch abseits der Profi-Tour. Seit Tigers Tiger die Szene eroberte, schützen nicht nur zahlreiche Golf-Pros ihre Hölzer mit flauschigen Headcovern, sondern auch g’standene Hobbygolfer. Sie wecken das Kind im Mann und wurden für die Besitzer zum Markenzeichen, das eine Geschichte erzählt und/oder ein Statement setzt.

So lässt sich der Nordire Rory McIlroy seit seinen Amateurtagen von einem Bernhardiner aus der Daphne-Kollektion begleiten – hatten die McIlroys doch einst ein lebendes Exemplar davon im Haus. Sergio Garcia wiederum tourt stets in Begleitung von zwei Bullen mit Nasenring über die Championship-Plätze – eine angemessene Wahl für einen patriotisch gestimmten Spanier, der als bekennender Fan von Real Madrid auch das Logo des spanischen Rekordmeisters auf seine Hybrid-Schlägerhaube sticken ließ.

Ebenso trägt der deutsche Feschak Martin Kaymer schon lange kuschelige Tierchen mit sich herum. Am Beginn seiner Karriere war es ein weißer Tiger, den er von seinem Bruder Philipp als Glücksbringer geschenkt bekommen hatte. Nach zehn Jahren im Dienst ging der Talisman 2015 in Rente. Seither schützen zwei „Gopher“ seinen Driver und sein Holz – Vater und Sohn, wie Kaymer sagt. Diese Nagetiere sind zäh, wie man sich in der Golfkomödie „Caddyshack – Wahnsinn ohne Handicap“ aus dem Jahr 1980 überzeugen kann. In diesem Film zerlegt ein kecker „Gopher“ – er stand Pate für das Daphne-Cover – den Rasen des exklusiven Bushwood Country Clubs und zieht sich dementsprechend den Ärger des Greenkeepers zu. Nach einigen erfolglosen Maßnahmen, den Quälgeist zur Strecke zu bringen, versucht er es am Ende mit Plastiksprengstoff.

Der Südafrikaner Ernie Els gibt den Driver auf Anraten seiner Kinder heimatverbunden in die Obhut eines Löwen. Und Russel Knox schwört – obwohl Brite – seit Jahren auf die Good Waves von Australiens bekanntestem Tier, weil das Känguru einfach „sein Ding“ sei, wie er einmal twitterte.

Eine Runde mit dem Alter Ego

Meister der Selbstdarstellung – oder ist es Selbstironie? –, deren es in der Riege der Tour-Pros doch einige gibt, lassen sich lieber von sich selbst begleiten. -Daphne produzierte für Bubba Watson einen täuschend ähnlichen Doppelgänger aus Stoff, der wie sein Vorbild einen Visor trägt. 2015 ist er allerdings umgestiegen auf „Kazoo“, das Maskottchen des Baseball-Teams Pensacola Blue Wahoos, an dem er Anteile hält.

Auch Ian Poulter stülpte lange Zeit sein Alter Ego über den Driver. Der einst exzentrisch gekleidete Engländer legt es heute etwas dezenter an und beschränkt sich seit 2010 auf einen klassischen Schlägerschutz.

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